Redaktion Der Bund
17. November 2017
20 Beiträge

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Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Gepinnter Kommentar
Mala Suess
    Jan Holler

    Und das alles in der Volksschule (1.-9. Klasse)? Objektorientiert Programmieren, 3D-Modelling, Webdesign? Programme laufend anpassen? (Was soll das überhaupt sein?) Informatik ist keine Kompetenz wie Lesen. Das ist ein Fach, wie z.B. Deutsch.
    Das alles ist Kunterburi und keine Strategie und hat in einer Volksschule wenig verloren. Man schreibt dort auch keine Bücher oder löst Differenzialgleichungen. Das sind höhere Bildungsebenen. Und die Lehrer/innen, die das alles beherrschen, müssen erst noch erfunden werden. Übrigens: PDFs erstellt man mit einem Klick.
    Von einem Informatiker und Vater.




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Gepinnter Kommentar

Beitrag der Redaktion:

Liebe Leserinnen und Leser, besten Dank für Ihre Beiträge.
Die Voten und Argumente lassen sich folgendermassen zusammenfassen:

Pro:

  • (Teilweise fragwürdige) Inhalte des Internets lassen sich nicht regulieren. Deshalb muss die Schule die Kompetenz fördern, sich im Datendschungel zurechtzufinden.
  • Die meisten Berufsbilder fordern Kompetenzen im Umgang mit ITC. Es ist unsere Aufgabe, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf diese Welt vorzubereiten. Die Volksschule ist praktisch die einzige Institution, die von allen durchlaufen wird. Deshalb müssen diese Kompetenzen dort vermittelt werden.
  • Informatikunterricht muss ein grundsätzliches Verstehen fördern und dazu führen, dass die reine Konsumhaltung hinterfragt wird. Viele Kinder/Jugendliche nutzen Mincecraft, Instagram, Snapchat, Musically etc. ohne sich zu fragen, wie sie gemacht wurden und ohne selbst Ähnliches aufbauen zu wollen.
  • Computersucht kann mit guter Prävention entgegengewirkt werden.
  • Das Verständnis für Informatik lässt sich im übrigen auch ohne teure Geräte unterrichten, wie etwa «Computer Sicence unplugged» zeigt.

Contra:

  • Programmieren ist simpel und die allerkleinste Herausforderung in der IT. Viel wichtiger sind kommunikative Fähigkeiten und Abstraktionsvermögen
  • Einfacher, schneller, besser wurde das Leben mithilfe der Informatik nicht. Computer und all die anderen Gadgets sind enorme Lebenszeit-Fresser.
  • Informatik-Kompetenzen erlernt man – wie etwa auch Fremdsprachen – kaum in der Schule, sondern in dem man sie praktisch anwendet.
  • Wenn schon müsste die Schule mit der Wirtschaft eng zusammenarbeiten, um in der Wirtschaft nachgefragte Kompetenzen zu vermitteln.
  • Man kann nicht aus jedem Schüler/jeder Schülerin einen Informatiker machen. Talente sollten jedoch konsequent gefördert werden.

Und was meinen Sie? Wir freuen uns auf Ihre Beiträge.




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    Günther Pomarolli

    Einige der Thesen der Redaktion wären zu bestrafen, wenn es nicht Thesen wären.
    Informatikunterricht heisst Kompetenzen schaffen. Ich habe dabei eigene Erfahrungen als «Hilfslehrer» machen dürfen. Das Konzept des «Markierens» und anschliessend die gewünschte Mutation eines Elements kenne gewisse Kinder nicht mehr. So kann man natürlich dann auch keinen Text mehr anpassen etc… Diese Erfahrung hat mich tief negativ beeindruckt.

    Aus diesem Grund gibt es 2 zentrale Stossrichtungen:
    Medienkunde:
    – Wie funktionieren Soziale Medien, was passiert. Hier gibt es interessante Lernspiele. Und als Einstieg wählt man den Film die Welle.
    – Wie erkenne ich Fake News. Hier könnte gerade der Bund auch interessante Workshops anbieten (nicht nur für Jugendliche)
    – Was passiert mit den Daten (Big Data lässt Grüssen). Auch hier gibt es tolle Beispiele, wie die «Hommingberger Gepardenforelle».
    – Bequemlichkeit gegen Datenschutz

    Requirement Engineering:
    Programmieren wäre einfach, wenn klar wäre, was man möchte. Denn letztendlich ist Programmieren eine Fleissarbeit. Das Thema ist aber, dass Programmieren immer noch Handwerk ist und immer noch nicht industrialisiert ist. Man vergleiche bitte mit der Maschinenindustrie. Oder kaufen Sie eine Schraube extra, die mit der Maschine xyz gemacht ist. In der IT ist dies nach wie vor zu beachten.

    Kurz: Das Thema Requirement Engineering wäre zentral. Damit man sich konkret, korrekt und vollständig überlegt, was man will. Nebenbei hilft dies, sich zu fokussieren. Durch die benötigten Analyse von Anforderungen und Ziele würde man einiges über den Zusammenhang von Software lernen. Aber eben auch fürs Leben.

    Und ganz nebenbei würden die MINT-lastigen Berufe Zulauf kriegen.

    Nutzung: Können sie Word oder Textverarbeitung, können Sie Excel oder Tabellenkalkulation?

    Ich unterrichte Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Und keine Versionen einer beliebigen/beliebten Software. Denn der Auftrag lautet gemäss Lehrplan genau so.

    Die Software ist egal. Die Struktur mit Seiten, Abschnitten, Absätzen sowie Text und Grafik ist das Thema der Textverarbeitung. Bei ca. 28’000 Schülern der Oberstufe des Kantons Bern, verteilt auf ca. 300 IT-Schulzimmer mit je 20 PCs wäre das Sparpotenzial ca. 0.5 Mio CHF an Lizenzen.

    Doch am wichtigsten ist die Nutzung der Sprache. Korrekt, klar, vollständig und auf den Punkt gebracht. Denn die Informatik erleichtert dabei die Kommunikation, ersetzt diese aber nicht.
    In diesem Sinne sind die Sprachen wesentlich wichtiger. Denn wenn man lesen kann, kann man es sich selbst beibringen und muss nicht im YouTube wissen, wie man den korrekten Suchbegriff eingibt. Und wenn man anständig schreiben kann, kann man sein Wissen sogar weitergeben. Ach so, man kann dann bloggen und Influencer(in) werden. (Nein stimmt nicht, die brachen nur «Selfies» und Hashtags. 😉 )

    P.S: Habe mal Maschinenmechaniker gelernt und bin seit 1987 im Bereich Informatik unterwegs.




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Elisabeth Inaebnit

Und wie steht es mit Cybermobbing? Wird an den Schulen auch Ethik unterrichtet?
Und dann noch eine Frage: Sind die W-Lan-Strahlungen wissenschaftlich als völlig unbedenklich eingestuft worden? Können Eltern, die Bedenken habe, ihr Kind vor diesen Strahlungen in der Schule schützen?
Solche Fragen scheinen vom Schulamt Bern nicht überprüft zu werden, sind aber vielleicht für die Gesundheit der Kinder sehr wichtig.




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Dagmar Grob

Es ist lächerlich. Programmieren ist simpel und die allerkleinste Herausforderung in der IT.

Projekte scheitern unter anderem weil man die Anforderungen nicht korrekt formulieren kann und verstehen tut. Und da gibt es tatsächlich PolitikerInnen, die allem Ernstes Programmieren zulasten von Sprachunterricht einführen wollen.

Programmieren ist vielleicht 10% davon, was IT ausmacht. Wenn Schüler von Nicht-Informatikern ein wenig Programmieren lernen, in einer x-beliebigen Sprache auf einer x-beliebigen Plattform, ist das so, als würde ich Englisch lernen und meinen, damit in Amerika (da spricht man schliesslich Englisch) Hirnoperationen durchführen zu können!

Ich arbeite seit 28 Jahren als Informatikerin, als Software-Entwicklerin, Projektleiterin, Application Manager und Entwicklungsleiterin grosser Teams. Ich bin froh, wenn die jungen Berufseinsteiger ordentlich Schreiben und Kommunizieren können. Und Abstraktionsvermögen mitbringen. Math- und Sprachunterricht zu kürzen, um ein wenig Codieren zu lernen, ist sinnlos und schadet mehr, als dass es nützt!

Sinnvoller Umgang mit IT-Konsum ist Erziehungs- und damit Elternsache (ich habe selbst Kinder). Und übrigens: die grössten Nerds findet man unter jenen, die IT am besten beherrschen…




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    Beitrag der Redaktion:

    Guten Tag Frau Grob.
    Sie haben sicher recht, dass viele IT-Projekte scheitern, weil die Anforderungen nicht klar formuliert sind respektive der Programmierer diese nicht kennt. Ich frage mich aber trotzdem: Ist Programmieren wirklich derart simpel? Ich bin einer der wenigen Journalisten, der Programmieren kann, weil ich eine Lehre als Informatiker absolviert habe. Und meinen Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen, aber auch andere Freunde, die jetzt in der Uni nebenbei noch ein bisschen programmieren lehren wollen, tun sich extrem schwer damit. Ich merke einfach, dass diese Programmierkenntnisse extrem hilfreich sind, um Anwenderprogramme jeder Art schneller zu verstehen.




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      Dagmar Grob

      Mit «simpel» meinte ich, dass man mit Programmieren IT noch längst nicht verstanden hat, es ist schlicht eine Illusion. Es ist bloss eine der Grundlagen der IT, und wie Programmieren helfen soll, Anwendungen schneller zu erlernen, ist mir ein Rätsel. Schauen sie die heutigen Kids an, die bewegen sich in jeder Applikation, als hätten sie nie was Anderes gemacht!

      Es darf definitiv nicht sein, dass Sprachunterricht und Math zugunsten von Programmieren noch mehr Gewicht verlieren. Denn da liegt manches im Argen.
      Übrigens fahren wir alle immer mehr Auto – wieso schreit niemand danach, wir sollten jetzt alle eine Automech-Ausbildung machen?




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Patrik Baumann
«Werter Herr Baumann Ihre Argumente sprechen sicher für sich. Und dennoch bleibe ich skeptisch zumal mir viele Ihrer Argumente zu schön sind, um wahr zu werden. Ich erlebe heute schon, wie Kinder in der öffentlichen Schule eigentlich nichts mehr richtig lernen, wenn die Eltern nicht ständig dahinter sind. Im Vergleich zu dem, was ich in meiner Schulzeit im Wallis vor 30 – 45 Jahren gelernt habe, kann ich schon seit über 10 Jahren dem aktuellen Bernischen Lehrplan absolut keine guten Noten verteilen. Das wird mit dem kommenden Lernplan 21 und mit noch mehr Informatikunterricht sicher nicht besser! Schon heute gibt es immer mehr Kinder, welche unter Schulstress leiden. Das wird sich mit noch mehr Informatikunterricht sicher auch nicht bessern. Und Ihre Ankündigung, dass mit Informatik auch die mittlerweile doch schon enorm grossen kulturellen gesellschaftlichen Differenzen bessern, wage ich hier auch mal ins Reich der Träume zu schicken. Die gesamte Hypertechnologisierung und -digitalisierung der Gesellschaft seit 1970 verursacht einen Quantensprung in der Menschheitsgeschichte, der selbst die Erfindung der Buchdruckerpresse von Guttenberg vor über 500 Jahren enorm in den Schatten stellen wird. Da nimmt mich schon heute wunder, wie sich das in näherer Zukunft entwickelt (ich sehe da bzgl. der gesellschaftlichen Umwälzungen v.a. für die kommenden 30 Jahre eigentlich rabenschwarz). Aber, um auf den Boden zurück zu kommen: Sie sprechen vom Ausbau des Lehrplans durch mehr Stunden, Ausbildung von speziellen Lehrfachkräften, und Anschaffung neuer , sicher toppmoderner Infrastruktur. Haben Sie sich dabei schon mal gefragt, wer denn das alles bezahlen soll? In der heutigen Schweiz wird Geld leider immer mehr zur Mangelware und wenn ich mir die Entwicklung der gegenwärtigen Weltpolitik so anschaue, würde ich an Ihrer Stelle jetzt nicht mit den Argument kommen: Wir brauchen keine neuen Armee-Flieger! Um es noch einmal zu sagen: Ich bin kein weltfremder Ewiggestriger und bin mir bewusst, dass das Computerzeitalter schon längst Einzug gehalten hat und dass es leider praktisch nirgends mehr ohne all die Gadgets geht (auch bei den Bauern nicht!). Die Frage stellt sich nur, ab wann und in welchem Ausmass der Informatikunterricht in den Lehrplan gehört. Und da sind mir zwei wirklich gute Lektionen pro Woche viel lieber als vier halbbatzige! Freundliche Grüsse»

Guten Tag Herr Wirthner
leider ist es nicht möglich nochmals auf ihren Beitrag zu antworten. Deshalb ein «neuer alter» Beitrag:
Es freut mich, dass Sie skeptisch bleiben und Schulreformen hinterfragen, das zeigt doch Ihr Interesse an der Gesellschaft.

Sie sagen, Kinder würden in der Volksschule nichts mehr lernen, wenn die Eltern nicht ständig «dahinter» seien. Ich hoffe sehr, dass das nicht so ist und bin überzeugt, dass unsere Schülerinnen und Schüler trotz allem noch lernen! Dass es nicht exakt das Gleiche ist, wie vor 40 Jahren leuchtet doch ein, schliesslich sind doch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft und in der Schule dazugekommen. Ich frage mich, wie sehr man die heutige Schule mit der vor 40 Jahren vergleichen kann und ob beide wirklich die gleichen Voraussetzungen hatten.
Ich bin, wie sie schon herauslesen konnten, ein Fan vom jetzigen, aber auch sehr vom neuen Lehrplan: Er bringt endlich eine gewisse Ordnung in unser föderales Bildungssystem, die ich sehr begrüsse. Schulstress ist sicher vorhanden, daran zweifle ich nicht, ich frage mich, was die Ursachen dafür sind. Ist es eine hohe Erwartungshaltung aus dem Elternhaus? Sind es geforderte Lehrpersonen?

Der Lehrplan 21 will einen umstrittenen Stressfaktor, die Hausaufgaben, vermindern: Üben soll vermehrt im Regelunterricht stattfinden und die Zeit zu Hause für Hausaufgaben verringert werden.

Die Entwicklung seit 1970 kann ich nicht aus persönlicher Erfahrung nicht so bewerten wie Sie aber ich sehe nicht ganz rabenschwarz: Es werden gesellschaftliche Herausforderungen auf uns zukommen, aber diese waren auch schon in der Vergangenheit da und konnten bewältigt werden.

Der neue Lehrplan, der im Kanton Bern im nächsten Sommer für alle PrimarschülerInnen eingeführt wird, bringt eine neue Lektionentafel mit sich. Meines Wissens wurde keine einzige Lektion eingespart, sondern es sind in der 1./2. Klasse je eine Lektion Deutsch, in der 1. Zusätzlich eine Lektion Mathematik und in der 5./6. Klasse je eine Lektion Medien+Informatik dazugekommen!

Es wird mehr Geld (das bereits gesprochen ist!) für Bildung ausgegeben! Das ist doch wunderbar! Die Infrastrukturkosten müssen von den Gemeinden getragen werden, aber auch hier bin ich nicht ganz pessimistisch und denke, dass es machbar ist, die nötige Infrastruktur zu beschaffen und zu unterhalten. Ich denke nicht, dass wir Flieger und Laptops gegeneinander ausspielen sollten.

Abschliessend bin ich mit Ihnen einverstanden: Zwei gute Lektionen sind wertvoller als vier halbbatzige! Und die eine neue Lektion Medien+Informatik in der 5./6. Klasse und 7./9. Klasse sind bitter nötig, um unseren Kindern Orientierung zu bieten!

Herzliche Grüsse




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    Roland H.E. Wirthner

    Lieber Herr Baumann
    Ihren unglaublich positiven Blick durch ihre rosarot und himmelblaue Brille möchte ich auch gern haben, denn offenbar sehen Sie wirklich konsequent nur das, was Sie sehen wollen.

    Da bin ich eigentlich unglaublich dankbar für den Geschichtsunterricht, den ich in den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts am Kollegium Spiritus Sanctus in Brig erhalten durfte. Er ermöglicht mir schon seit Jahrzehnten einen kritischen Blick auf die Zukunft und v.a. das Denken in Assoziationen und Vergleichen mit früheren Jahrhunderten (v.a. dem letzten). Das lässt mich wenigstens am Boden bleiben und nicht gleich immer auf jeden neuen Spleen aufzuspringen.

    Die 68-er Generation hat in den letzten Jahrzehnten nicht nur gesellschaftlich extrem viel Schaden angerichtet, sondern auch in der Schule. Und sie tut es offenbar auch in Zukunft ungehindert weiter (ich hoffe wirklich nicht mehr allzu lange!) Sei’s drum! Die hyperdigitalisierte Zukunft kommt in grossen Schritten und mir tun schon jetzt all die (gechipten) Menschenmassen leid, die da nicht werden mithalten können oder einfach nicht mehr gebraucht werden.

    In diesem Sinne will ich mal hoffen, dass wir zwei und unsere Kinder (wenn Sie denn welche haben) nicht dazugehören!
    Freundliche Grüsse




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      Patrik Baumann

      Guten Tag Herr Wirthner
      Wir entfernen uns vom Ausgangspunkt: Braucht es mehr IT-Unterricht an Berner Schulen? Meine Antwort: Ja unbedingt und mit dem neuen Lehrplan kommt dieser verbindlich, auch bereits in der Primarschule.

      Die Informatik mit «jedem neuen Spleen» zu vergleichen, scheint mir doch etwas gar konservativ, schliesslich gibt es Computer schon einige Zeit und ihre Bedeutung im Alltag ist nicht ganz ohne. Und in Zukunft werden sie uns sicherlich erhalten bleiben. Darum wünsche ich mir Menschen, die kritisch mit der Digitalisierung und IT umgehen können und trotzdem ein elementares Verständnis haben. Genau DAS ist aus meiner Sicht das Hauptziel in gutemIT-Unterricht.

      Die Digitalisierung bietet Chancen und Risiken in der Gesellschaft, und die Risiken sehe ich durchaus (Datenschutz, Auslagern von Arbeiten, Künstliche Intelligenz, Abhängigkeit etc.). Aber ignorieren können wir die Informatik nicht und deshalb braucht es IT-Unterricht in der Schule. Die Volkschule ist bis heute die einzige Institution, die praktisch alle Menschen durchlaufen.
      Herzliche Grüsse




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Sieglinde Kliemen

Ich empfehle dringed die Bücher und Vorträge von Manfred Spitzer zu lesen und zu hören. Er ist Hirnforscher und seit 1998 ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm. Den Trend, an Grundschulen und in Kitas vermehrt Tablets und Computer einzuführen, hält er für eine Katastrophe, die sich in der Hirnentwicklung der Jugend schon heute nachweisen lässt. Er weiss wovon er spricht.




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Jens Kaessner

Die Welt hat sich verändert: Vieles, was vor Jahrzehnten von Hand erledigt werden musste, geht heute mit Hilfe der Informatik einfacher, schneller und besser. Wer es weiter von Hand erledigt, verschenkt die Möglichkeit, viel mehr zu leisten und die Welt mit zu prägen. Wer das nicht glaubt, soll sich doch überlegen, wie er ohne eine Google-Suche Informationen aus irgendeinem Fachgebiet sammeln würde.

Schüler sollten diese neuen Möglichkeiten nutzen lernen, wenn sie fürs Leben vorbereitet sein wollen. Leider nutzen viele von ihnen als Konsumenten Minecraft, Instagram, Snapchat oder Musically, ohne sich zu fragen, wie sie gemacht wurden und ohne selbst Ähnliches aufbauen zu wollen.

Informatik in der Schule hat nichts mit den weit verbreiteten Powerpoint-Präsentationen zu tun. Genauso wenig geht es darum, jetzt jedem Kind ein Tablet zu geben. Informatik lässt sich fantastisch ohne Computer unterrichten – es reichen Blätter, Würfel, Schnüre und Rätsel. Ein schönes Beispiel dafür ist „Computer science unplugged“: http://www.csunplugged.org .

Fundamental dafür ist aber auch ein Kulturwandel. Auch wenn die Erkenntnis schwer fällt: Wir sind kein Volk von Bauern mehr, sondern unsere Welt ist von Informatik durchdrungen. Lernen wir, diese Informatik zu entdecken und uns zu Diensten zu machen. Damit unsere Kinder sie prägen statt von ihr geprägt zu werden.




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    Roland H.E. Wirthner

    Lieber Herr Kaessner

    Ihre Worte in Gottes Ohr. Die Informatik mag das Leben der Menschheit seit den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits gehörig verbessert haben, aber einfacher, schneller und besser wurde das Leben mithilfe der Informatik seither sicher nicht (das erlebe ich tagtäglich an meinem Arbeitsplatz!). Der Computer und all die anderen Gadgets sind enorme Lebenszeit-Fresser und veranlassen Menschen dazu, sich praktisch nicht mehr in der freien Natur und im realen, geselligen Kreis – sprich Familie und Vereine – aufzuhalten. Unsere Psychiatrien quellen heute schon über von Leuten, die den Rank im Leben nicht mehr finden. Nicht nur Alkohol und Drogen, sondern auch Informatik-Süchtige, Adipöse und Pat. mit anderen Volkskrankheiten werden unser sog. Gesundheitswesen – welches man eigentlich schon heute besser Krankheitswesen nennen würde – regelrecht überfahren und wohl schon bald zum dekompensieren bringen.

    Mit der angedachten Informatikreform an öffentlichen Schulen wird es sich gleich verhalten wie mit dem Französischunterricht. Wenn man eine gut französisch sprechende Person später einmal fragt, wo er denn so gut Französisch gelernt hat, wird ihnen praktisch keiner sagen: „In der Schule!“ Und wenn das Ziel des Informatikunterrichts an der Volksschule wirklich das sein sollte, Kinder zu animieren, selber Programme wie Minecraft, Instagram u.s.w. zu schreiben, ist das doch eine absolute Dummheit. Wenn, dann müssten unsere Schulen eng mit unserer Wirtschaft zusammenarbeiten und für Firmen nützliche Informatik-Tools generieren. Aber dazu braucht es ein breit gefächertes Grundwissen und v.a. Lehrer/innen, die selber das nötige Wissen haben. Aber auch hier gilt das oben von mir schon mal Gesagte: Man kann nicht aus jedem/jeder Schüler/in eine/n Informatiker/in machen und ich bin mir sicher, dass genau die Kreise, welche heute so stark für mehr Informatik an Volksschulen weibeln, die Ersten sein werden, welche sich mit Hand und Fuss dagegen wehren werden, wenn die Wirtschaft mehr Einfluss auf die Lerninhalte dieser Schulen nimmt.

    Und auch wenn wir leider heute schon fast nur noch ein Volk von Dienstleistern und Konsumenten sind, sollten wir den Bauernstand auch im 21. und allen kommenden Jahrhunderten nicht verachten, denn Halbleiter und andere Computerteile werden wir wohl noch längere Zeit nicht essen können!




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Roland H.E. Wirthner

Die Forderung nach noch immer mehr IT an Schulen ist absoluter Schwachsinn. Viel wichtiger, als den Schülerinnen immer mehr Computer und andere Gadgets ins Klassenzimmer zu stellen, wäre es, Ihnen zuerst einmal richtig das Lesen, Schreiben, Rechnen, Sprachen und noch sonstige wichtige Allgemeinbildung wie Geografie, Geschichte und Naturkunde beizubringen (und zwar ohne Computer usw.), denn grundsätzlich gilt: Der Computer ist nur so gut wie die Person, die davor sitzt!




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    Roland Näf

    Genau in diesen Kompetenzbereichen, welche Herr Wirthner erwähnt, gibt es Lernmöglichkeiten im Netz, die wir uns früher kaum vorstellen konnten. Als Beispiele nenne ich online-Apps zum Fremdsprachen lernen wie yabla oder babbel oder Simulationen in den Naturwissenschaften. Die Kunst besteht im richtigen Einsetzen der Technologie, ohne sich in der Vielfalt der Möglichkeiten zu verlieren.

    Abgesehen davon zeigen die Anforderungen der Lehrbetriebe, dass Kompetenzen im Umgang mit ICT die meisten Berufsbilder prägt. Es ist unsere Aufgabe, Kinder und Jugendliche bestmöglich auf diese Welt vorzubereiten. Unabhängig davon, ob wir fürchten, selber nicht mehr mitzukommen.




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      Roland H.E. Wirthner

      Lieber Herr Näf
      Ich bin bei weitem nicht so computerfeindlich eingestellt wie Sie vielleicht denken, zumal ich selber tagtäglich am Computer arbeite.

      Aber was nützen unseren Kindern all diese Computer-Lern-App’s wirklich? Ist es wirklich sinnvoll, einen Aufgabentext in English von einer App abzuschreiben, von der die Kinder noch nicht einmal wissen, ob sie damit auch wirklich korrektes Englisch lernen!

      Kommt hinzu, dass unser gesamtes Internet mittlerweile so versaut und zugemüllt ist, dass man es eigentlich schon lange einmal massiv ausmisten und unter eine strenge Kontrolle stellen sollte. Wie wollen die Lehrer/innen hier den natürlichen Gwunder ihrer Schühler/innen wirklich in rechte Bahnen lenken. Die Lehrkräfte sind doch heute schon mit all den Problemen ihrer Multi-Kulti-Klassen heillos überfordert.

      Und was machen all die (computersüchtigen) User denn, wenn das Netz mal nicht mehr läuft? Wir haben heute schon genug Leute, welche nach dem Moto leben: Der Strom kommt aus der Steckdose und die Milch aus der Migros!

      Ich bin auch der Meinung, dass es in der heutigen Zeit Informatikunterricht an Schulen braucht. Die Frage stellt sich nur, ab wann und wie viel. Zwei gute Stunden Unterricht ab der 7. Klasse reichen vollkommen, aber v.a. auch nicht auf Kosten der anderen Fächer. Man kann nicht aus jedem/jeder Schüler/in eine(n) Informatiker/in machen. Man muss die paar wenigen, welche sehr rasch einmal das Zeug dazu zeigen, herauspflücken und konsequent fördern. Und die anderen darf man dann aber auch nicht am Computer verblöden und süchtig werden lassen. Aber vielleicht wollen gewisse politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Kreise ja gerade letztere zwei Dinge erreichen, denn solch ein Haufen lässt sich vielleicht noch leichter demagogisieren!




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        Patrik Baumann

        Guten Tag Herr Wirthner
        Dank dem Internet haben Sie einfachen Zugang zum Lehrplan, bitte lesen Sie zuerst, was vermittelt werden soll, bevor sie zum Schlag ausholen. Dann könnten Sie auch besser treffen: http://be.lehrplan.ch/index.php

        Tatsache ist, dass sehr viele Geräte Kindern und Erwachsenen zugänglich sind und Internet an jeder Ecke verfügbar (interessant dazu die JAMES-Studien).
        Das Internet ist zugemüllt, ja da gebe ich Ihnen recht, aber der Versuch, es von staatlicher Seite zu regulieren, wird aus meinen Augen erfolglos sein. Deshalb sollen in der Schule eben gerade die Kompetenzen gefördert werden, welche eine Orientierung im Datendschungel erlauben. Auch das Thematisieren von Gewalt/Porografie/Fake News/Hass/Radikalisierung usw. gehört da dazu. Nicht darüber sprechen löst die Probleme noch weniger.

        Es ist auch nicht das Ziel, aus jeder Schülerin, jedem Schüler einen Informatikspezialisten zu machen, viel eher soll ein grundsätzliches Verstehen gefördert werden und die reine Konsumhaltung hinterfragt werden! Vergleichen Sie es mit dem Autofahren: Sehr viele AutomobilistInnen wissen ungefähr, wie der Motor funktioniert und warum es eine Batterie braucht. Sie sind deswegen noch lange keine GaragistInnen! Mündige BürgerInnen (und das ist doch das Ziel der Schule, oder?) sollten deshalb aus meinen Augen auch verstehen, was der Unterschied zwischen einer Festplatte und einer Cloud ist und weshalb Google an meinen Suchanfragen interessiert ist.

        All die Probleme der «multi-kulti Klassen» können Sie nicht so in die Waagschale werfen: Für den Informatikunterricht werden zusätzliche Lektionen geschaffen, Fachlehrkräfte ausgebildet und eine Infrastruktur angeschaft. Ich denke nicht, dass es in einer Schulklasse mit unterschiedlichen Herkunftsnationen schwieriger ist, Informatik zu unterrichten, als an einer «nicht-multi-kulti-Klasse» (an dieser Stelle: Was ist multi-kulti? Ab wann ist jemand einE SchweizerIn? Ab dem Pass oder braucht es da noch den einheimischen Namen? Warum?)
        Der Strom kommt aus der Steckdose, die Milch aus der Migros: Genau da setzt doch der neue Lehrplan (und der alte auch schon) den Hebel an!

        Computersüchtige Menschen gibt es, aber ich denke, dass mit guter Prävention (die u.a. im Informatikunterricht stattfinden kann) sehr viele Menschen angesprochen werden können. Und gerade dazu braucht es doch einen obligatorischen Informatikunterricht! Wie oben: Sich über ein Problem ausschweigen trägt nicht zu dessen Lösung bei. Und weil so viele Kinder Zugang zum Internet haben, weil so viele Smartphones im Umlauf sind und weil die Informatik aus unserem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken ist, braucht es bereits in der Primarschule einen (kritischen) Umgang damit, nicht erst in der Oberstufe. Informatik ist auch ein Mittel zum Zweck: Sie kann fächerübergreifend eingesetzt werden.

        Der Computer ist nur so gut, wie die Person, die davor sitzt: Völlig richtig! Also, geben wir der Person das Rüstzeug in die Hände, das Sie benötigt!
        Herzliche Grüsse




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          Roland H.E. Wirthner

          Werter Herr Baumann

          Ihre Argumente sprechen sicher für sich. Und dennoch bleibe ich skeptisch zumal mir viele Ihrer Argumente zu schön sind, um wahr zu werden. Ich erlebe heute schon, wie Kinder in der öffentlichen Schule eigentlich nichts mehr richtig lernen, wenn die Eltern nicht ständig dahinter sind. Im Vergleich zu dem, was ich in meiner Schulzeit im Wallis vor 30 – 45 Jahren gelernt habe, kann ich schon seit über 10 Jahren dem aktuellen Bernischen Lehrplan absolut keine guten Noten verteilen. Das wird mit dem kommenden Lernplan 21 und mit noch mehr Informatikunterricht sicher nicht besser! Schon heute gibt es immer mehr Kinder, welche unter Schulstress leiden. Das wird sich mit noch mehr Informatikunterricht sicher auch nicht bessern. Und Ihre Ankündigung, dass mit Informatik auch die mittlerweile doch schon enorm grossen kulturellen gesellschaftlichen Differenzen bessern, wage ich hier auch mal ins Reich der Träume zu schicken.

          Die gesamte Hypertechnologisierung und -digitalisierung der Gesellschaft seit 1970 verursacht einen Quantensprung in der Menschheitsgeschichte, der selbst die Erfindung der Buchdruckerpresse von Guttenberg vor über 500 Jahren enorm in den Schatten stellen wird. Da nimmt mich schon heute wunder, wie sich das in näherer Zukunft entwickelt (ich sehe da bzgl. der gesellschaftlichen Umwälzungen v.a. für die kommenden 30 Jahre eigentlich rabenschwarz).

          Aber, um auf den Boden zurück zu kommen: Sie sprechen vom Ausbau des Lehrplans durch mehr Stunden, Ausbildung von speziellen Lehrfachkräften, und Anschaffung neuer , sicher toppmoderner Infrastruktur. Haben Sie sich dabei schon mal gefragt, wer denn das alles bezahlen soll? In der heutigen Schweiz wird Geld leider immer mehr zur Mangelware und wenn ich mir die Entwicklung der gegenwärtigen Weltpolitik so anschaue, würde ich an Ihrer Stelle jetzt nicht mit den Argument kommen: Wir brauchen keine neuen Armee-Flieger!

          Um es noch einmal zu sagen: Ich bin kein weltfremder Ewiggestriger und bin mir bewusst, dass das Computerzeitalter schon längst Einzug gehalten hat und dass es leider praktisch nirgends mehr ohne all die Gadgets geht (auch bei den Bauern nicht!). Die Frage stellt sich nur, ab wann und in welchem Ausmass der Informatikunterricht in den Lehrplan gehört. Und da sind mir zwei wirklich gute Lektionen pro Woche viel lieber als vier halbbatzige!
          Freundliche Grüsse




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