Redaktion Der Bund
24. Februar 2018
23 Beiträge

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Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Gottfried Treviranus

Der Kanton Bern könnte (dank geringerer neoliberaler Vertragseinbindung) mit einem Bundesmilliardenprogramm einen grossindustriellen Exzellenzstandort stemmen, der etwas Menschenfreundliches wie Vertikalstädte produziert und damit in Kooperation mit Franzosen und Italienern global Märkte gewinnen. Stattdessen: eine geistlose oder den Medizinstandort überstrapazierende vor allem Steuern hinterziehende Rechte, eine ausufernde staatliche Waffenproduktion, EU-Abschottung, Nischenjägerei – und eine „neoliberale lebensqualitätisierende Linke“ – während der Industriestandort fatalistisch hinwegschmilzt und die globalen Chancen kaputtgehen.




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    Peter Bieri

    1. Und woher denken Sie, würden die Gelder vom Bundesmilliardenprogramm kommen? Ach ja richtig, die stammen z.B. aus Zürich, wo grossindustriell und international Wertschöpfung generiert wird.

    2. Die Stadt Bern und Umgebung leben sehr gut vom Bundes- und Parlamentsbetrieb. Es besteht kaum Handlungsdruck, aus der Comfort Zone herauszutreten, da Politik und Verwaltung ein stabiler Wirtschaftsfaktor sind. Zudem war Bern trotz seiner Grösse und Bedeutung vor 200 Jahren bei der Industrialisierung nicht vorne dabei. Bis heute ist der Kanton ausserhalb der Grossstadtregion vor allem Landwirtschaft.




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Andi Kronawitter
Martin Martin Messerli

Auf die Frage, wie werden wir besser, gibts, spitz bemerkt nur eine Antwort. Die grün/rote Regierung Berns muss vermehrt die Wirtschaft förden, statt nur die Land-wirtschft.




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Walter Strahm

Im Kanton Zug wird man von allen öffentlichen Stellen mit Respekt als geschätzter Kunde empfangen.
In Bern muss man gebeugt zu den gnädigen Herren und wird als lästiger Bittsteller behandelt.
Den Gipfel der Arroganz findet man bei den Steuerbehörden. Hier werden alle den Beamtenwohlstand bezahlenden Bürger grundsätzlich als potentielle Betrüger angesehen.
Über Filz und Klügel lohnt es sich nicht zu schreiben.




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Benedikt Jorns

Die Standortwahl eines mittleren oder grösseren Unternehmens hängt stark von der Höhe der Unternehmensteuer ab. Z.Bsp. Nidwalden, Luzern, Appenzell AR, Obwalden, Schwyz und Zug versteuern 10,6-12,8%. Bern liegt bei hohen 18,2%.




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    Adrian Allemann

    Offenbar wird in diesem Jahr über die III Unternehmenssteuerreform 2017 abgestimmt. Als Laie habe ich diesbezüglich folgende Fragen:

    1. Werden Arbeitsplätze geschaffen, wenn durch weltweit tiefste Gewinnsteuern Konzerne ins Land geholt werden oder sind es vor allem Briefkastenfirmen?
    Ich denke, es sind und werden vor allem Briefkästen bei Anwaltskanzleien in Steueroasen sein.

    2. Wie können die Gewinne eines international tätigen Konzerns in die Briefkästen von Steueroasen transferiert werden?
    Offenbar geschieht dies völlig legal, indem der Briefkasten zum Hauptsitz des Konzerns wird und die Gewinne mit saftigen Lizenzgebühren in diesen transferiert werden.

    3. Warum will die Schweiz keine Anpassung nach oben (Ausländer auf den heutigen Level der Inländer)?
    Weil die Gefahr besteht, dass einige Konzerne ihren Briefkasten in Steueroasen mit tieferen Gewinnsteuern verlegen.




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Theo Beutler

Die Berner sind nicht wesentlich unproduktiver – aber halt bedächtiger oder mira auch langsamer.

Der bernische Stillstand lässt sich aber mit politischen Buebetrickli (auch wenn diese vor dem Richter Bestand hätten) – man darf diese Missgunstausbrüche oder Wahntaten nennen – begründen. Hier einigee Beispiele:
– JSYK Muri, der Laden öffnet und muss dann (aufgrund zuvieler Parkplätze?) wieder schliessen, weil die SP findet, dass darf noch nicht sein. Seither steht das neue Gebäude leer.
– Die Umfahrung Aarwangen wäre beinahe abgestürzt an der Urne, weil anscheinend ein paar Frösche die Strasse überqueren werden.
– Der oberste Gleichstellungsbeamte des Kantons verdient 190k/a. Nötig?




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Konrad Hugentobler

Im Kontext der PFZ und des m.M.n. viel zu starken Bevölkerungswachstums der Schweiz bin ich alles andere als unglücklich darüber, dass Bern eine eher wenig dynamische Wirtschaftsregion ist. Zugegeben, praktisch alle Personen in meinem Umkreis sind entweder direkt oder indirekt vom Staat abhängig und haben es sich in relativ risikoarmen Karrieren bequem gemacht. Dass man allerdings in Bern von immer noch extrem hohen Löhnen profitieren und gleichzeitig nicht durch den Verdrängungseffekt der Boomregionen (Mieten in Zürich, Genf) leiden muss ist meiner Ansicht nach ein unschätzbarer Vorteil in Sachen Lebensqualität, und eine direkte Folge dieser ‚Unproduktivität‘.




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urs berger

Die fehlende Dynamik hat vermutlich verschiedene Gründe. Und einige Dinge finde ich Symptomatisch:

Anti-Stadt-Reflex: Da ranked der Handels und Industrieverein Wilderswil bezüglich Verkehrsgunst als besser ein als die Stadt Bern. Schliesslich muss man der bösen linken Stadt eins auf die Finger geben. Dass dies ein völliger Blödsinn ist, wird weder von der Presse bemerkt noch erregt dies im HIV Aufsehen. Beton in den Köpfen statt gemeinsames Denken. In Zürich wäre es vermutlich nicht denkbar, dass Bauma vor der Stadt Zürich oder Kloten geranked würde, ohne dass anschliessend der Verein aufgelöst werden müsste. Da stimmen die Oberländer Volksvertreter wacker für den Burgdorfer Campus, damit Bern nicht noch gestärkt wird. Dass dies für Oberländer Studenten viel mühsamer ist, ist ja nicht so wichtig.

Klientelpolitik: In vermutlich den meisten Kantonen würde eine Ausbildungsoffensive für die Landwirte gestartet, damit der teure Zwischenhandel über Viehmärkte mit der App ersetzt werden kann. Im Kanton Bern wird der Viehmarkt subventioniert, damit der für die Landwirte schädliche Zwischenhandel möglichst lange noch nicht verdrängt wird. Da bezahlen wir natürlich auch gerne die (fast) höchsten Notariatsgebühren, schliesslich setzen sich die Wirtschaftsvertreter im Grossrat aus Notaren und Landwirten zusammen. Da kann der Rest der Wirtschaft schon ein bisschen gemolken werden.

Bildungsinstitution – im Speziellen die Uni: Die grössten Unternehmen sind im staatlichen/halbstaatlichen Bereich. SBB, Post, BLS, Swisscom kooperieren mit Hochschulen, aber kaum mit der Uni Bern. An anderen Unistandorten entstehen laufend Spinoffs der lokalen Grossunternehmen aus der Kooperation mit den Hochschulen.

Steuersituation: Hier herrscht zwischen Links und Rechts konsens, dass möglichst Leistung bestraft werden muss. Fürs das Besitzen und Nichtstun sind die Steuern kompetitiv. Fürs Arbeiten nicht.




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Die Debatte über die «unproduktiven» Berner flackert immer wieder auf. Meistens ist es nur eine Stellvertreterdebatte von jenen, die weniger in den Finanzausgleich einzahlen möchten – also jenen, die die Solidarität zwischen den verschiedenen Landesteilen bekämpfen. Ironischerweise führt die SVP Schweiz diesen Kampf an vorderster Front an, während sie sich gleichzeitig gerne als Superpatriotin gibt. Wer sich als patriotisch versteht, sollte für die ganze Schweiz einstehen und nicht nur für die reichen Teile.

Und mit der SVP kommen wir auch gleich zum zweiten Teil der Ironie: Die Berner Kantonalpartei kritisiert zwar lautstark, dass der Kanton Bern zu den Nehmerkantonen im NFA gehört. Gleichzeitig ist aber die SVP hauptverantwortlich für mindestens zwei Schwächen des Kantons Bern: die kleinräumigen Strukturen und die Landwirtschaft. Als stärkste Partei seit Jahrzehnten hätte sie es in den Händen gehabt etwas zu ändern – sie wollte aber nicht.

Fazit:
1. Es ist nicht so schlimm, wenn der Kanton Bern weniger stark ist als andere Kantone. Es gehört auch zur Solidarität der Schweiz, dass die Stärkeren die Schwächeren unterstützen.

2. Es gibt durchaus potential den Kanton Bern stärker zu machen – aber dann müssten die beiden heiligen Kühe Landwirtschaft und Gemeinden angepackt werden.

3. Der Kanton Bern hat bei Bildung und Innovation durchaus Chancen ganz vorne mitzuspielen, z. B. als Medizinalstandort. Dazu braucht es aber die nötigen Investitionen. Ich hoffe, dass auch die Kritiker der Berner Schwächen dazu bereit sind!




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Martin Aeschlimann

Anscheinend ist das Wirtschaftswachstum pro Kopf im Kanton Bern gar nicht tiefer als im Rest der Schweiz. Das Wachstum ist somit viel nachhaltiger und der Rest der Schweiz sollte besser schauen Bern zu kopieren als umgekehrt. Denn Wirtschaftswachstum nur um höhere Mieten zu bezahlen und Kulturland zu zupflastern bring nicht besonders viel Lebensqualität.




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Adrian Bratschi

Bern braucht weniger Staat, weniger Sozialausgaben an Nichtschweizer, mehr Unternehmerische Freiheit und das Volk muss wegkommen von seiner Beamtenmentalität bei der Arbeit. In der Politik muss die Schweiz aufhören sich derart anzudienen.




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Adrian Allemann

Der Bund vom 24. Febr. 2018: Verschlafene unproduktive Berner
Wichtige Aussagen:

  • Der Anteil der Branchen mit geringer Wertschöpfung ist im Kanton Bern gross (Landwirtschaft)
  • Parasitäre Konzerne werden in der Schweiz mit den weltweit tiefsten Gewinnsteuern ins Land geholt und der Kanton Bern muss mitmachen.
  • Das permanente Wirtschaftswachstum ist nur mit stetigem Bevölkerungswachstum möglich
    (sofern die wachsende Bevölkerung mehrheitlich Kaufkraft hat und nicht dem Sozialstaat zur Last fällt).

Folgerung:

  • Wirtschaftlich betrachtet hat beispielsweise das Bankenwesen eine grosse Wertschöpfung. Die Privatschulden allein betragen in der Schweiz etwa 1 Billion. Verzinst zu 2% resultiert ein Ertrag von 20 Milliarden. Die Banken produzieren nicht, sie sind reine Dienstleistungsunternehmen. Würde die Notenbank den Leitzins auf 2% anheben (heute etwa -0,75%), so wären die meisten Banken bankrott, weil viele Kreditnehmer überfordert wären und der wirtschaftliche Schaden wäre immens.
  • Die Landwirtschaft produziert und hat einen Grundversorgungsauftrag. Der notwendige Boden zur Grundversorgung wird wegen des Bevölkerungswachstums immer kleiner. Mit einem Bevölkerungswachstum von 1% würde sich diese alle 70 Jahre verdoppeln. Langfristig gesehen ist Bevölkerungswachstum keine Option.



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Martin Kesselring

Als ehemaliger Berner, heute als Unternehmer in Frankreich lebend, fällt mir auf, dass der Kanton Bern wie Frankreich noch stak am napoleonischen Konservatismus leidet. Die beiden benachbarten «Länder» plagen die selben Probleme: Verfilzung, schwerfällige Politik, Angst vor Veränderungen, wenig Effizienz und zu viel Selbstgefälligkeit.

Bern als kleiner Staat (ca. 80 mal kleiner als sein Nachbar) müsste sich doch eigentlich wesentlich schneller reformieren können. Es bräuchte da einen rechten Schub an Reform-Freude und -Willen, der den Bernern wie den Franzosen weitgehend fehlt. Schade.




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Martin Kesselring

Als ehemaliger Berner, heute als Unternehmer in Frankreich lebend, fällt mir auf, dass der Kanton Bern wie Frankreich noch stak am napoleonischen Konservatismus leidet. Die beiden benachbarten „Länder“ plagen die selben Probleme: Verfilzung, schwerfällige Politik, Angst vor Veränderungen, wenig Effizienz und zu viel Selbstgefälligkeit.

Bern als kleiner Staat (ca. 80mal kleiner als sein Nachbar) müsste sich doch eigentlich wesentlich schneller reformieren können. Es bräuchte da einen rechten Schub an Reformfreude und -Willen, der den Bernern wie den Franzosen weitgehend fehlt. Schade.




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Heinz Müller

Ich würde mir wünschen eine Startupkultur zu fördern.

Bern hätte da einiges zu bieten und wäre mit den diversen Hochschulen sehr gut aufgestellt.

Aber Bern ist leider durch und durch Bürgerlich/Konservativ. Diese selbstgefällige ignoranz gegenüber risiken hält Bern davor zurück auf Augenhöhe mit Zürich zu agieren. Und leider muss ich auch sagen das die Randregionen, im speziellen das berner Oberland, alles blockieren, was innovation betrifft.




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Peter Aeschlimann

Das BIP ist nun wirklich kein valider Wohlstandsindikator mehr – zum BIP zählen z.B. auch Prostitution, Waffen- und Narkotika-Handel! Und in allen westlichen Staaten steigt das BIP, aber die Zufriedenheit der Menschen steigt seit den 50er Jahren nicht entsprechend. Selbst die eingefleischt neoliberale OECD hat alternative Wohlstandindikatoren zum unilinearen BIP entwickelt. Zu diesen zählen u.a. auch Wohnverhältnisse, Gesundheit, Umwelt, Gemeinsinn, Bildung, Zivilengagement, Work-Life-Balance.

Ich würde behaupten: Wenn wir nur die materiellen Aspekte betrachten, sind wir in Bern nicht Spitze, wenn es um ein ganzheitliches Bild der Lebensumstände geht, denke ich, würde man uns in der ganzen Schweiz beneiden. Und diejenigen Kantone mit einem hohen BIP pro Kopf würden erkennen, was wir ihnen zu bieten hätten: Umwelt, Gesundheit, Gemeinsinn etc. etc.




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Anton Langenberger

1. Es hat zuviele Gemeinden mit Gemeindekönigen, die sich Aufträge und Stellen zuschachern (Ein Gemeindeschreiber verdient schnell 160’000 mit PSK, sein Nachfolger ist schon bestimmt, ein Parteikollege wartet…). Das macht alles Konservativ, jeder will so Top-Stellen und dient sich brav hoch als Kopfnicker. Zusammen mit den Bauern gibt das dann eine sehr bedächtigte, langsame Filz-Grundstruktur.

2. Bern ist durch diese Kleinräumigkeit sehr auf Personen und Beziehungen aufgebaut. Sieht man am Besten an den Anwaltsprüfungen. Da wurden Söhne von Anwälten von Bürokollegen geprüft. Danach gab es sofort eine Kader-Stelle (ohne Erfahrung) beim Kanton.

3. Bernburger, Serviceklubs, Parteien: 80% der Kader und Politiker sind in Bern extrem gut verfilzt. Alles wird unter der Hand besprochen und vergeben. In ZH z.B. geht es viel mehr um Geld und Leistung. Zeit ist Geld. Man hockt nicht zweimal die Woche an „Stammtische“ oder geht an Parteiveranstaltungen.

4. Teile des Kantons Bern sind sehr konservativ. Ohne Innovation und Leistungen bekommen sie dennoch viele Leistungen und Subventionen. Das erhält den Konservatismus am Leben. Ich kenne Leute, die gegen die eigene Überzeugung in die SVP getreten sind, damit sie eine Stelle beim POM bekommen. Einer ist Jäger geworden, damit er eine Stelle beim Kanton bekommt, isst aber eigentlich kein Fleisch. Dieser Filz und diese Personenstrukturen sind einzigartig in der Schweiz und wird wohl nur noch im Wallis überboten.

5. Bern als Stadt und Aglo ist viel zu wenig mächtig. Eigentlich müsste es einen Kanton Stadt Bern geben und dann Rund herum Bern Land, das dann wohl viel höhere Steuern hätte. Aber dann könnten die Gebildeten und weltoffenen in den Stadtkanton flüchten und den konservativen das Land rund herum überlassen.




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Erwin Hänni

Mehr Risikokapital für Startup zur Verfügung stellen, adminitrativer Aufwand für KMU reduzieren, mehr und einfachere Informatiktools anbieten. Gemeinden fusionieren




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Alex Schneider

Agglomeration Bern gegen ländliche Berner Regionen: Regionalpolitik neu ausrichten!

Wenn die Agglomeration Bern die Lasten der strukturschwachen Berner Regionen nicht mehr tragen will, so soll sie doch dafür sorgen, dass die Wirtschaftsförderung des Kantons ihre Bemühungen auf die ländlichen Regionen konzentriert. Es muss wirtschaftlich nicht alles und jedes in den Grossagglomerationen stattfinden. Viele Unternehmensbereiche hätten auf dem Land komparative Vorteile.




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