Redaktion Der Bund
21. März 2018
7 Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Herbert Rothenbühler

Stadt, Land. Wo ziehen wir die Grenze? Wo enden die städtischen Probleme, wo beginnen die ländlichen?

Für wieviele aus dem Land, aus der Agglomeration ist die Stadt Arbeitsort, Durchgang zum Arbeitsort? Wie wird künftig gebaut, geplant, verkehrgesteuert? Wird die Möglichkeit in der Stadt Wohnraum zu erstellen knapp, so weichen wir aus aufs Land. Wir koordinieren diese Ausweitung heute nur sehr beschränkt. Erschliessung der neuen Zone mit öffentichem Verkehr, Strassen die Sinn machen und Entlastung bewirken, gehen wir erst im Nachhinein an, wenn die Probleme offensichtlich sind und wir beeinträchtigt werden. Als Beispiel sei die Achse Bern Gürbetal via Seftigenstrasse durch Wabern erwähnt.

Diese Problematik stellt sich aber nicht nur der Stadt Bern. Dasselbe gilt zB. auch für Thun, Biel, Burgdorf, Langenthal. Auf einer Fahrt von Bern nach Thun durch das Aaretal, wo hört die Stadt auf? Ist das noch feststellbar? Momentan vielleicht noch, aber für wie lange?

Schulwesen, Spitalwesen, Polizei, Feuerwehr, Wirtschaftsraum und -förderung, Raumplanung. Gewässerschutz, Energieverteilung…diese Aufgaben werden durch Aufsplittung in Stadt/Land sicherlich nicht effizienter, koordinierter und besser lösbar werden. Ich befürchte das Gegenteil.




4



0
Andi Kronawitter

Eigentlich finde ich, dass die Kantone für heutige Verhältnisse viel zu klein sind – wir haben ja keine Meldereiter mehr, sondern Telekommunikation, Strassen und Schienen. Daher würden 3-4 Kantone in der Schweiz reichen, vielleicht käme man sogar mit einer Gemeinde und einer Bundesebene aber auch aus.
Wenn man aber unbedingt Bern zerlegen will, würde wohl ein „Urban-Kanton“ Biel bis Münsigen und ein Landkanton mit dem Rest eher Sinn machen.
Das eigentliche Problem ist wohl ein anderes: das Bild, was die Schweiz ist und werden soll, fehlt. Oder jeder hat sein eigenes, und auch so ergibt sich kein gemeinsames Ziel. Die einen wollen zurück in die nostalgische Vergangenheit, die anderen in die rosige Zukunft. Die Segregation verläuft nicht zufällig zwischen Stadt und Land. Dabei fühlen sich die Städter weder bezüglich des Bevölkerungsanteils (ein Mensch, eine Stimme) noch in Relation zur wirtschaftlichen Bedeutung im politischen System angemessen repräsentiert.




2



0
Christoph Staub

Bei der Bildung eines Halbkantons müsste sich wohl jede einzeln Gemeinde entscheiden, zu welchem Kantonsteil sie gehören will, so wie das bei der Jura-Abstimmung der Fall war. Und da bin ich überzeugt, dass Gemeinden wie Muri, Ittigen, Köniz, aber auch Münsingen zum Stadtkanton gehören wollen und nicht zum Niedersimmental oder zu Schangnau. Von dieser Annahme her müsste man bei der Studie zum Halbkanton noch einmal bei Null beginnen.




5



0
Alfred Rentsch

Der Beitrag des Autorenteams Künzler/Battagliero/Lagger ist interessant. Schade, dass sich die Autoren auf die beiden Varianten Halbkanton oder „Berne D.C.“ beschränken. Eine weitere Variante müsste unbedingt wieder aufgenommen werden, diejenige der Bildung von (politischen) Regionen. Ich war von 1970 bis 1987 Mitglied des Grossen Rates und zudem Mitglied der ausserparlamentarischen Kommission „Zimmerli“, deren Schlussbericht 1983 herauskam. Im selben Jahr erschien die Dissertation von Hanna Muralt, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin der bernischen Regionenkommission,unter dem Titel „Region – Utopie oder Realität“ im Druck (Benteli Verlag Bern). Schade, dass die Idee jahrelang nicht losgelöst von der Jurafrage diskutiert werden konnte. Zum andern ist die Realisation wohl daran gescheitert, dass die Schaffung von Regionen (Bern-Mittelland, Oberland, Oberaargau-Emmental, Biel-Seeland, Berner Jura)mit der Schaffung einer vierten staatspolitischen Ebene gleichgesetzt wurde. Vielleicht lohnte es sich, die Idee nach 35 Jahren wieder aufleben zu lassen…
Alfred Rentsch, Pieterlen




4



0

Ob man von der Stadt oder vom Land profitiert ist erstmal eine ganz individuelle Sache. Jeder Städter, der Skifahren oder Wandern geht, profitiert vom Oberland, und jeder Emmentaler, der in der Bundesverwaltung arbeitet oder hier ausgeht, profitiert von der Stadt.

Finanziell gesehen profitiert das Land hingegen eindeutig. Das wäre weniger ein Problem, wenn diese Tatsache akzeptiert würde – was eher nicht der Fall ist. Niemand will offenbar einsehen, dass man auf dem Land zwar günstig wohnen und erst noch Pendlerabzüge machen kann, dafür aber massive Abstriche in Sachen Spitäler, Poststellen, ÖV usw einfach in Kauf nehmen muss.
Die gegenseitigen Ressentiments dürften daher rühren, dass man halt nur die eigenen Probleme sieht und sich für die der anderen Seite auch gar nicht interessiert. Das wird sich auch nicht ändern innert nützlicher Frist. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man das ändern könnte, schliesslich hat heutzutage doch jeder das Gefühl, er habe selber genug Probleme und könne sich nicht auch noch…

Ich wäre tendenziell schon eher für eine Trennung, sehe aber durchaus ein, dass damit neue Probleme geschaffen werden. Ausserdem ist das eh nur ein Gedankenspiel ohne realistische Grundlage, denn so massive Reformen kommen niemals durch die Instanzen, wenn schon ein simples Tram derartige Widerstände in ganzen Kanton auslöst. Wir werden immer wieder darüber reden, passieren wird nichts.




8



3

Es braucht mehr miteinander statt gegeneinander. Einmal abgesehen davon, dass ein Stadtkanton Bern nur sehr schwer zu realisieren wäre, würde damit der Graben zwischen Stadt und Land nur noch vergrössert werden – halt einfach zwischen den Kantonen.

Der Kanton Bern hat in der Schweiz eine wichtige Brückenfunktion, nicht nur zwischen den Sprachen, sondern eben auch zwischen Stadt und Land. Statt einer Trennung braucht es mehr Verständnis für einander. Wenn Stadt und Land trotz Differenzen gemeinsame Lösungen finden müssen, bringt das am Ende den ganzen Kanton weiter und es hat eine Vorbildfunktion für die ganze Schweiz.




21



1
urs berger

Ich denke, dass die Fragestellung so nicht korrekt ist. Die Stadtgrenzen sind eine Willkürgrenze ohne jegliche kulturelle, ökonomische und sonstirgendwelche Bedeutung. Einfach eine historische Bremse. insofern müsste und würde ein Halbkanton sicherlich eher den inneren Agglomerationskreis umfassen.

Grundsätzlich ist die Struktur mit den heutigen Kantonen generell sehr ungeeignet. Verkehrsplanung, ein Teil der Bildung/Kultur, Spitalpolitik (sofern überhaupt nötig), regionale Verwaltung könnten dezentraler vermutlich weniger kontrovers gelöst werden (Raum Oberland, Raum Mitttelland, Oberaargau/Emmental, Seeland/Biel/Jura).

Diese vierete Ebene entspricht mehr dem Lebensraum der Bewohner und könnte – autonomer mit Globalbudgets – vermutlich näher an der Bevölkerung operieren. Der ‚Kanton‘ würde natürlich stark an Macht einbüssen. Aber es wäre sicherlich sinnvoll, wenn das Oberland entscheiden müsste, wieviele Spitäler es im Oberland geben sollte, wie stark Strasse/öV gewichtet wird etc…




12



5
Nach oben