Redaktion Der Bund
17. April 2018
8 Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Hans Grunder
«Der Projektschlussbericht der Basisstufenversuche zeigt auf, dass die Kinder der Basisstufenklassen bis zum Schuleintritt im Lesen, Schreiben und der Mathematik bessere Resultate aufweisen, dieser Vorsprung auf die Kindergartenklassen jedoch nach dem zweiten Schuljahr bereits aufgeholt ist.»

Was heisst, dass die Schule wieder alles nivelliert, statt adäquat weiterzufördern. Dumm gelaufen …




0



0
Gabriela Heimgartner

Das freie Spiel ist überall wichtig. Wie man die Suppe in ein weites oder ein hohes Gefäss füllen kann, kann man in der Basisstufe, im Kindergarten und zuhause das freie Spiel fördern. Der Kindergarten und die Basisstufe sind die Gefässe, das freie Spiel ist einer von vielen wichtigen Inhalten dieser Stufe. Sprechen wir also nicht vom Gefäss, wenn wir den Inhalt meinen. Die Aufgabe der Lehrkraft ist es, sowohl das freie Spiel zu ermöglichen als auch gezielte, individuelle Anregungen anzubieten. Dazu bestehen Konzepte und die Lehrpersonen sind speziell dafür ausgebildet.

Neben der Schule ist aber auch das Elternhaus entscheidend für die Entwicklung des Kindes. Hier lernen Kinder sehr viel, wenn sie genügend Zeit für das freie, selbstbestimmte Spiel erhalten, wenn sie Verantwortung für ein Ämtli übernehmen und wenn sie beim Kochen, im Garten und beim Reparieren mithelfen können. Eltern haben dafür keine Ausbildung. Damit Eltern wissen, wie sie Ihre Kinder im Familienalltag fördern können gibt es seit 2011 die ElternLehre Schulstart http://www.elternlehre.ch (ab Mai wieder in Bern, Thun und Lyss).

Gabriela Heimgartner
Kursleiterin Elternlehre Schulstart
Co-Präsidentin Schule & Elternhaus Kanton Bern




12



3
Katharina Haudenschild

So wie Frau Margrit Stamm ein Fan der Basisstufe ist, bin ich ein Fan des
Kindergartens!

Seit vielen Jahren begleite ich als Kindergärtnerin Kinder im Vorschulalter. Selbstverständlich wird in den Basisstufen wertvolle, professionelle Arbeit geleistet und die Kinder erleben dort eine glückliche und fruchtbare Zeit. Meiner Meinung nach birgt das Basisstufenmodell leider einige Gefahren und hat auch etliche Schwachstellen.

Das Entwicklungsspektrum der Kinder in einer Basisstufe ist sehr gross. Der Aufwand und die Anforderung für eine adäquate Unterrichtsgestaltung ist enorm. Rasch dominiert «das Schulische», das Vorschulkind läuft Gefahr, sich zu früh anzupassen und seine eigentlichen Bedürfnisse, insbesondere die emotionalen, hinten anzustellen.

Das Vorschulkind hat in einer Basisstufenklasse eine kleinere Auswahl an Spielkameraden als in einem Zweijahrgangskindergarten. Dies kann sich auf die Qualität des freien Spiels auswirken.
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Qualität sowie die Quantität des freien Spiels sich positiv auf das spätere, schulische Lernen auswirken. Auch mit 150 Stellenprozenten ist eine Lehrperson mit einer sehr heterogenen Kindergruppe (vier bis fünf Jahrgänge) regelmässig alleine, was für alle sehr anspruchsvoll ist. Lehrpersonen der Basisstufe arbeiten auch während den Pausen, da die jüngsten Kinder auch in dieser Zeit Betreuung brauchen. Die Pausen sind nicht bezahlt. Diese Arbeit wird von den Lehrpersonen unentgeltlich geleistet!

Die Kindergartenpädagogik erachte ich auch heute noch als absolut zeitgemäss. Die entwicklungsorientierte Kindergartenpädagogik ist auch für eine klare Mehrheit der heutigen Kinder nach wie vor sehr wertvoll. Glücklicherweise ist der entwicklungsorientierte Ansatz auch im Lehrplan 21 verankert. Es ist jedoch längst an der Zeit, dass auch der Kindergarten mehr Stellenprozente erhält, damit der anspruchsvolle Bildungsauftrag zufriedenstellend ausgeführt werden kann. Die entwicklungsorientierte Kindergartenpädagogik ist in einer von wirtschaftlichem Denken geprägten Bildungslandschaft ein wertvolles und schützenswertes Kulturgut.

Tragen wir Sorge dazu!




54



6
Sabina Geissbühler-Strupler

Der Projektschlussbericht der Basisstufenversuche zeigt auf, dass die Kinder der Basisstufenklassen bis zum Schuleintritt im Lesen, Schreiben und der Mathematik bessere Resultate aufweisen, dieser Vorsprung auf die Kindergartenklassen jedoch nach dem zweiten Schuljahr bereits aufgeholt ist.

Auch das Wohlbefinden, die Beziehungsfähigkeit zu anderen Kindern oder das Selbstvertrauen wurden von den Kindern in den Schulmodellen gleich bewertet. Das schulähnliche Lernen zum Beispiel an Hand von Arbeitsblättern wie es in Basisstufenklassen und nun auch im Lehrplan 21 gefordert wird, führt erwiesenermassen zu Entwicklungsdefiziten. Das Vernachlässigen des freien Spiels und der Mangel an Sinnes- und Bewegungserfahrungen vor allem auch in der Natur, zeigen negative Folgen für unsere Kleinsten.

Wenn wir es zulassen, dass sich unser Bildungssystem nicht mehr auf pädagogische und entwicklungspsychologische Grundsätzen ausrichtet, sondern den Forderungen von Economiesuisse nachkommt, kommen unsere Kinder zu Schaden.




33



18
Wolfgang Beywl

Wichtigstes Prinzip für die Diskussion über das Gute und Richtige in der frühen Bildung ist: Ruhe bewahren. Nicht aufregen. Es gibt viele verschiedene Wege, auf denen Kinder beim Heranwachsen optimal unterstützt werden können (und manchmal ist es wichtig, aus dem Weg zu gehen, und ihnen freien Lauf zu lassen). Ernsthafte ruhige Gespräche zwischen Eltern, Kindergarten- und Primarlehrpersonen sind wichtig, und dass alle Beteiligte weiter dazu lernen, wie Lernen geht. Wer meint, er/sie hätte dazu schon fertig gelernt, sollte sich zurückhalten. Ich bin derzeit in Neuseeland und darf mir anschauen, was in Kitas und Primarschulen passiert. Ergebnis: Es ist viel viel mehr möglich, gut und richtig, als ich mir bisher vorstellen konnte. Mehr dazu: http://wolfgang-beywl.blogspot.ch/2018/04/sichtbares-lernen-in-der-uni-kita.html




38



2
Nach oben