Redaktion Der Bund
7. Dezember 2018
7 Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Der Bundartikel vom 8. Dezember bereitet einen guten Boden für erste inhaltliche Diskussionen über die Auswirkungen einer Fusion zwischen Bern und Ostermundigen. Das Bild, das gezeichnet wird, scheint mir treffend. Für ein Fazit ist es zu früh. Ich bin allerdings überzeugt, dass eine Fusion langfristig für beide Gemeinden ein Gewinn wäre. Die Stadt Bern könnte wachsen und neuen Planungsraum gewinnen und mit einer grösseren Einwohnerzahl auch interkantonal an politischem Gewicht zulegen. Umgekehrt überfordern die vielfältigen Herausforderungen eine Gemeinde mit der Bevölkerungsstruktur wie Ostermundigen zunehmend. Diese Struktur zu ändern, ist mit vielen Neuzugezogenen teilweise schon gelungen, aber grundsätzlich schwierig und sozialpolitisch heikel. Es wäre sinnvoller, das Problem im Rahmen einer grossräumigeren Sozial- und Wohnbaupolitik im Verbund mit der Stadt Bern anzugehen. Wir haben bereits mit anderen Vorhaben gesehen, dass wir Projekte zusammen mit der Stadt umsetzen können (z.B. Tram). Die Stadt Bern belässt den einzelnen Quartieren eine hohe Eigenständigkeit. Ich könnte gut damit leben, wenn es künftig nicht nur heisst «Bümpliz bei Bern», sondern auch «Ostermundigen bei Bern».




1



0
Rudolf Alther

Als Ergänzung zum hervorragenden Beitrag von Naomi Jones und Franziska Rothenbühler ist die nationale Auswirkung einer Fusion nicht zu unterschätzen. Zu oft wird meines Erachtens Bern im nationalen Kontext schwach bzw. falsch wahrgenommen. Durch die Fusion der beiden Nachbarsgemeinden Bern und Ostermundigen wären wir betreffend der Einwohnergrösse schon beinahe mit Basel oder Genf gleichauf. Obwohl die Anzahl der EinwohnerInnen allein noch kein Garant für eine andere Wahrnehmung bei nationalen Diskussionen darstellt, so führt sie doch eher zu einem neuen Urteil. Die Stimme Berns erhält zusätzliches Gewicht.

Rudolf Alther




1



0

Verkraften kann man sie vielleicht, nach und nach, aber ich denke nicht, dass es diese Fusionen «braucht». Zumindest Bern braucht sie nicht, im Gegenteil, es könnte passieren, dass dadurch natürlich gewachsene Mehrheiten plötzlich kippen.

Fusionen aus rein monetären Gründen sind besonders problematisch. Bestes Beispiel dafür ist doch Bümpliz/Betlehem, das sich Bern damals nur angeschlossen hat, weil es pleite war und auch jetzt, nach 100 Jahren, noch ein Fremdkörper im Stadtgebilde ist, ganz anders tickt und von Bern wie von einem (eher ungeliebten) Nachbarn redet.

Wenn sich also nur die Gemeinden Bern anschliessen, denen das Geld ausgeht, und die Reicheren aussen vor bleiben, kommt es nicht gut, jedenfalls nicht für Bern. Grösse ist für mich persönlich kein relevanter Faktor, ich kann nur einigermassen echte Liebesheiraten befürworten. Das Gerede von all den Vorteilen gleicht jenem von Firmenbossen, die jeweils von Synergien schwafeln, welche sich im Nachhinein aber fast immer als Fata Morgana entpuppen.

Wie es um die Beziehung der Agglogemeinden zu Bern steht sieht man ja gut jeweils, wenn es um Beiträge an die Kulturinstitutionen der Stadt geht, die sie zwar fleissig nutzten, aber eigentlich lieber nicht finanzieren wollen.

Meinetwegen kann Bern bleiben wie es ist, wir sind doch gut unterwegs. Warum können die Aussengemeinden nicht einfach untereinander fusionieren?




8



18
Rudolf Käser

Ich erwarte eigentlich mehr als eine simple Fusion. Klar, eine Eingemeindung von Ostermundigen macht Sinn, das Siedlungsgebiet ist auch Teil des Stadtkörpers. Aber was ist z.B. mit Köniz? Da hat es Quartiere, die sind weit städtischer und bernverbundener als die Quartiere von Ostermundigen. Oder darf Wabern und Liebefeld nie zur Stadt gehören, weil die obere Gemeinde (Köniz Land) nicht zur Stadt will?

«Bern neu gründen» müsste Alternativen bieten, da hat es doch genügend helle Köpfe? Vielleicht wäre ein Modell, die Stadt als Kerngemeinde zu belassen und Fusionen im Speckgürtel zu fördern. Ich stelle mir vor, rund um Bern vier grosse Gemeinden, welche die Brücke bilden zwischen der Innenstadt und dem Land, eine davon wäre Köniz. Die Stadt bliebe die (Bundes-)Stadt und hätte lediglich noch vier Partnergemeinden, die sich ihrerseits mit ganz andern Problemen herumzuschlagen hätten.




8



3
Timon Richiger

Eine Fusion von Ostermundigen und Bern macht auch aus Sicht der Raumplanung und des Verkehrs Sinn. Eine zusammenhängende Region kann sich dann am besten entwickeln, wenn die Entwicklung auch ganzheitlich vorausschauend geplant wird. Eine Gemeindegrenze in einem solch zusammenhängenden Raum, wie es der Bund-Artikel sehr schön aufzeigt, kann eine sinnvolle regionale Entwicklung verhindern.

Es ist beispielsweise bedauernswert, dass die aktuell geplante Velohauptroute Bern – Ostermundigen an der Gemeindegrenze endet und in Ostermundigen nicht weitergeführt wird. Ebenfalls wenig Verständnis dürften Nutzende des neuen Veloverleihsystems von Bern haben, dass sie ihr Velo vor der Gemeindegrenze zurückgeben müssen. Auch die Stadt Bern hat ein Interesse, dass die Infrastruktur und das Angebot möglichst durchgängig und einheitlich ist. So kann beispielweise eine gute und durchgängige Veloinfrastruktur mehr Leute zum Velofahren animieren und somit stark ausgelastete ÖV-Linien entlasten.

Im Bereich der Raumplanung könnte sich mit einer Fusion Ostermundigen viel direkter bei der Planung der im Stadtentwicklungskonzept Bern vorgesehenen Siedlungserweiterung im Osten Berns einbringen. Im Bereich Wittigkofen plant die Stadt langfristig eine Erweiterung, von welcher Ostermundigen stark betroffen wäre, so dient dieser Raum heute als Naherholungsgebiet sowohl für Stadtbernerinnen und Stadtbernen wie auch für Ostermundigerinnen und Ostermundiger. Dank einer Fusion könnte Ostermundigen ihre Bedürfnisse viel direkter einbringen und so die Erweiterung mitgestalten.




15



6
Jürg Schärer

Natürlich, es wissen es alle. Ostermundigen hat finanzielle Probleme und ein strukturelles Defizit, welches sich auf absehbare Zeit nicht eliminieren lässt. Wer aber den Fusionsgedanken nur darauf reduziert, springt allzu kurz. Warum sollte denn dann auch Bern ein Interesse haben an einer Fusion?

Der ausgezeichnete Bund-Artikel zeigt die Ganze Breite und die vielfältigen Vorteile eine Fusion auf. Ostermundigen hat auch einiges zu bieten: Den Entwicklungsschwerpunkt Behnhof mit Hochhaus und erstmals einem «Dorfplatz», dem Tram in spe, einer lebendigen Siedlungsentwicklung, einem «Quartiergeist», wie er in Bern in Bümpliz, Länggasse, Breitenrain, Lorraine etc. sich entwickelt.

Schliesslich würde sich die Planung auf allen Gebieten stark vereinfachen und die günstigen Wohnungen, welche immer noch zahlreich vorhanden sind, dürften auch städtische Probleme lösen helfen.

Also: Eine Fusion ist eine vielfältige Angelegenheit, welche mit Ausdauer und Umssicht angegangen werden muss – umso aussichtsreicher, je enger die Gemeinden Bern und Ostermundigen von Anfang an zusammenarbeiten, und der Kantopn seine Unterstützung dazu beiträgt.




21



5

«It’s the economy, stupid…» – Bill Clintons Wahlkampfspruch bestätigt sich auch hier wieder: Gemeinden, die finanziell schlecht dastehen, sehen eine Fusion viel positiver als die anderen. Erstaunlich ist das ja nicht, aber es entlarvt die ganzen Diskussionen um Eigenständigkeit, Behördennähe und lokale Identität sehr weitgehend als vorgeschobenes Geschwurbel. Wenn man dieses mal weglässt, bleiben als wirklich greifbare Auswirkung einer Fusion: bessere Steuergerechtigkeit, weniger Verwaltungsaufwand, und mehr Mitbestimmung über regionale Fragen. Also dann!




18



9
Nach oben