Redaktion Der Bund
23. Februar 2019
20 Beiträge

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Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

c. von waldkirch

Es ist ein Segen, dass es professionnelle Hilfen und Aktivierungstherapeuten gibt und sogar Freiwilligenorganisationen. Wo aber bleiben die Angehörigen und Freunde? Keine Zeit, zu weit weg. etc. Wirklich? Oder eine Frage der Prioritäten? Wie richten wir uns ein, BEVOR unsere Lieben Hilfe brauchen? Wie pflegen wir unser Umfeld, solange es allen gut geht? Mit wenig Unterstützung können alte Personen, solange sie nicht ganztäglich pflegebedürftig sind, zu Hause bleiben. Auch da aber brauchen sie Gesprächspartner und kleine Handreichungen, auch etwas Hilfe beim Putzen, für welche es keine Profis braucht und vor allem Zuwendung. Umso mehr, wenn sie im Heim sind.Das kann keine staatliche Organisation leisten oder bezahlen. Dass nun die potenziellen Erben jammern, weil zuerst das Vermögen und allenfalls der Wert des Hauses für die Pflege aufkommen muss, verstehe ich nicht. Dafür habe ich schliesslich gespart. Es kommt wie im 19. Jahrhundert: Die Wohlhabenden bleiben zu Hause, die Armen kommen ins Hospiz. Es ist dringend, dass mehr in die Gesellschaft und Familie investiert wird durch Erziehung zur Solidarität statt in Heime und Organisationen.

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Baba Anonymous

Wozu? Sie haben ein Leben lang gearbeitet und Steuern bezahlt und jetzt sollen sich doch bitte „abtreten“. So jedenfalls kommt es mir je länger je mehr vor. Meine Mutter hat CHF 2500.- zur Verfügung, zum Glück gibt es die EL. Ein Leben lang hat sie gearbeitet um jetzt jeden 5er umzudrehen. Sie beklagt sich nicht mal aber schon traurig.




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Franziska Wirz

Mit der Ausbildung zur Aktivierungsfachperson HF am medi, Zentrum für medizinische Bildung in Bern besteht seit 2008 ein Angebot einer qualifizierten Ausbildung für den Bereich der Aktivierung auf Tertiärstufe. Unsere Studierenden sind auf die sich veränderten Rahmenbedingungen sensibilisiert und setzen sich mit den Entwicklungen im Berufsfeld aktiv auseinander. Sie bringen die Kompetenzen mit, Menschen in hochkomplexen Situationen gezielt zu unterstützen und zu begleiten. Mit ihren Interventionen erhalten und fördern sie die körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Ressourcen der Klientinnen und Klienten in verschiedenen Settings (Alters- und Pflegeheime, Tageskliniken, etc.). Sie sorgen dafür, dass sich die Menschen in ihrer Umgebung wohl fühlen und den Alltag möglichst selbstständig bewältigen können. Sie realisieren und dokumentieren Therapien. Sie sind im Dialog mit Angehörigen, arbeiten eng mit anderen Fachpersonen zusammen, übernehmen Führungsaufgaben und leiten Drittpersonen in Aktivierung an.

Die Analyse der Daten der bereits von Eva Somm erwähnten Studien RESPONSE und SHURP zeigen auch auf, „dass Bewohnende eine bessere Lebensqualität äusserten, wenn ein gut ausgebautes Aktivierungsangebot bestand“. Ebenfalls konnte aufgezeigt werden, dass sinnhafte Aktivitäten den Bewohnenden wichtig sind und ihre Lebensqualität positiv beeinflussen.

Die Kompetenz zur therapeutische Vorgehensweise und ein breites insbesondere auch gerontologisches Fachwissen befähigen die Aktivierungsfachpersonen HF, spezifisch auf die Bedürfnisse der Klient/-innen abgestimmte Angebote zu entwickeln, die mit den noch vorhandenen Ressourcen sinnhaftig erlebte Aktivitäten ermöglichen. Dabei können – wie erwähnt – auch andere Berufsgruppen professionell angeleitet werden.

Die beiden Studien zeigen einen wichtigen Aspekt auf: die interprofessionelle Zusammenarbeit in diesem Bereich ist von zentraler Bedeutung und es braucht gemeinsame Strategien, um die Herausforderungen zu meistern. Wichtig ist, dass ein breiter Dialog angestossen wird und in den Diskussionen die Bedürfnisse der betroffenen Menschen im Zentrum stehen. Die Aktivierungsfachpersonen leisten einen wichtigen Beitrag.

In der Diskussion bezogen auf die Kostenträger können – auf der Basis der dokumentierten Wichtigkeit – Finanzierungsmodelle konstruktiv angegangen werden.

Franziska Wirz
Bildungsgangleiterin Aktivierung HF, medi Zentrum, Bern




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Andrea Baumann

Kinderkrippen in Altersheimen, Besuche von Kindergartengruppen zum gemeinsamen Spielen: das gibt es seit längerer Zeit bereits in Frankreich. Rüstige Rentner, die in Altersheimen wohnen, könnten auch Aufgabenhilfe für 1. und 2. Klässler geben. Regelmässige Kino- und Theaterbesuche. Evtl. könnten Kinos, die heutzutage auch kämpfen müssen, Spezialangebote für Senioren anbieten. Allerdings müssten da die grossen Kinos auch in Neubestuhlungen für Rollstuhlfahrer investieren. Bin unter 60 doch altersgemäss nah genug, um mich in alte Menschen einzufühlen.




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Carina und Mirjam Spycher und Thomann

Ein paar Fragen

Stellen Sie sich doch einmal der folgenden Frage:

«Möchte ich, wenn ich alt bin, im Alters- und Pflegeheim wohnen und hilflos jeden Tag und jede Nacht auf Hilfe angewiesen sein?»

Für mich ist die Vorstellung einer solchen Lebenssituation – nämlich hilfsbedürftig aber aus Spargründen weitgehend hilflos in einem Alters- und Pflegeheim leben zu müssen – unvorstellbar.
Ich würde mich wertlos fühlen, könnte mit niemandem sprechen, ein Tag wäre wie der andere und die Zeit würde scheinbar stillstehen. Ich würde mich nutzlos fühlen, wäre auf Hilfe angewiesen und trotzdem hilflos, könnte nicht mehr selbst bestimmen. Ich wäre tot – aber noch nicht gestorben…
Für mich eine schreckliche Vorstellung.

Eine Situation, die sicherlich vielen Angehörigen und Betroffenen bekannt sein dürfte. Und verständlicherweise vielen Menschen Angst macht.

Könnten wir diese Lebenszeit eigentlich so gestalten, dass Farbe ins Leben kommt und auch der hilfsbedürftige Mensch im Alter als wichtig und wertvoll angesehen wird?

Leider beschäftigen sich die meisten Menschen unserer Gesellschaft erst dann mit einer solchen Situation, wenn sie selbst oder als Angehörige direkt betroffen sind.
Dennoch sind dann viele Angehörige oder Selbstbetroffene nicht damit einverstanden, dass die zu betreuende Person «zu wenig» Betreuung erhält.

Dann stellt sich eine weitere zentrale Frage: Weshalb wird denn meistens genau in diesen Bereichen gespart? In Bereichen, in denen Menschen auf Hilfe angewiesen sind und sich und ihren Willen nicht mehr selbstbestimmt durchsetzen können. Wie im «Bund»-Artikel vom 23. Februar 2019 beschrieben.

Nun kommt die Aktivierungstherapie mit ins Spiel. Die Aktivierungstherapie ist für Menschen in Alters- und Pflegeheimen, Spitälern, Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen und Psychiatrischen Kliniken wichtiger Bestandteil einer positiven, gelingenden Lebensgestaltung.

Weshalb ? Wozu?
In der Aktivierungstherapie gewinnen wir verlorene Ressourcen der Betroffenen zurück und erhalten, fördern und trainieren diese. Wir erhalten die Selbständigkeit und geben dem Alltag der BewohnerInnen eine wichtige und sinnvolle Bedeutung. Der betreute Mensch fühlt sich dadurch gebraucht und ernst genommen.

Unterstützend wirkt die Aktivierungstherapie in der vernetzten Zusammenarbeit mit folgenden Berufsgruppen:

Physiotherapie:
Z. B. im Bewegungstraining, sowie in Bewegungsgruppenangeboten, Gleichgewichtstraining und Entspannungsangeboten.
Ergotherapie:
Z.B. im Feinmotoriktraining, Gedächtnistraining, in Alltagsaktivitäten sowie auch Gruppenangeboten.
Logopädie:
In der gezielten Essbegleitung und im Sprechtraining.
Pflege:
Im Trainieren der Selbständigkeit während der Morgenpflege, in der Betreuung von Menschen mit einer dementiellen Entwicklung, in der Essensunterstützung, in der Begleitung von Menschen in einer palliativen Situation bis hin zur Sterbephase

Mittels Gruppenangeboten und Anlässen unterstützen wir die Betroffenen auf ihrem Weg aus der Isolation und vernetzen die Teilnehmenden untereinander.

Zum Schluss zwei Fragen, welche in unserer Berufsgruppe immer wieder im Raum stehen:
Warum wird unsere wichtige und nachgewiesenermassen wirksame Arbeit von den Leistungsträgern der öffentlichen Hand und den Krankenversicherern nicht anerkannt und wertgeschätzt?
Weshalb können die Leistungen der Aktivierungstherapie nicht abgerechnet werden?

Carina Spycher
Dipl. Aktivierungsfachfrau HF
Mirjam Thomann
Dipl. Aktivierungsfachfrau HF




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Peter Barth

Ich habe als Berufsbildner Pflege,Studierende im Akutspital,der Psychiatrie und in Altersheimen praktisch angeleitet und theoretische Abschlussarbeiten begleitet. Von den 3 und 4 Jährigen Ausbildungslehrgängen geht praktisch keiner in ein Altersheim nach Abschluss der Ausbildung.Ein Praktikum reichte den meisten.Gründe? Arbeitszeit, Monotonie,körperlich sehr streng,der Tod und Ekelgefühle. So ist das. Dazu kommt oft unmotiviertes Personal,geistiges “ Verhungern“ und immer zu wenig Zeit,geteillte Dienste,Krankheitsausfälle. Die Unterstützung seitens Pflegedienst ist kaum spürbar,denn auch in diesen Leitungsstrukturen ist der Druck oft zu gross. Nirgends sonst erlebte ich das “ Peters Prinzip in dieser Deutlichkeit. APH s werden immer komplexer,grösser und bestückt mit zuwenig gut ausgebildetem Personal. Der Lohn ist entsprechend tief angesetzt,der Personalschlüssel grad knapp angepasst,niemals ausreichend aber für längere Krisensituationen. Ich erlebte 10 Tage am Stück zu arbeiten,mit Früh,Spät,Mittel und geteillten Diensten. Da ist keine Attraktivität.Der alte Mensch ist nicht per se “ herzig“, das sind höchst schwierige und komplexe Pflegefälle. Für 5000.- im Monat?
Nie im Leben. Das ist Teil der Realität.




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Eva Soom Ammann

Betreuung von Bewohnerinnen und Bewohnern in Alters- und Pflegeheimen hat viele Facetten und wird nicht nur von einer einzelnen Berufsgruppe geleistet. So nehmen auch Pflegefachpersonen, Fachangestellte Gesundheit, Fachangestellte Betreuung und Pflegeassistenzpersonal, die sich tagtäglich für die Bewohnerinnen und Bewohner einsetzen, mit ihrer Präsenz und im Gespräch wichtige Pflege- und Betreuungsaufgaben wahr. Unbestritten ist diese Form der Betreuung enorm wertvoll und aus dem Alltag im Altersheim nicht wegzudenken. Mit der von mir zitierten Aussage «nicht mechanisch hinter sich bringen» ist genau dies gemeint: So soll es in der Pflege nicht sein – und so ist es in der Regel auch nicht. Die Bewohnendenbefragungen der BFH (Studie RESPONS) bestätigen dies, Altersheimbewohnerinnen und -bewohner schätzen die Qualität ihrer Versorgung. In der Pflege liegt ein grosses Potenzial, auch auf Betreuungsaspekte wie dem Bedürfnis nach Gesprächen einzugehen. Setzen wir uns dafür ein, dass sich dies auch in der Finanzierung von Betreuungs- und Pflegeleistungen niederschlägt!




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Bettina Wegenast

Warum schaffen es viele Pflegeheime eigenltich nicht, eine fröhliche, ansprechende Umgebung zu schaffen, in der man seine Angehörigen gern besucht (& den Pflegenden damit einen Teil der Arbeit abnimmt)? Warum bezieht man Besucherinnen nicht besser mit ein?
Warum gibt es keine Spielecke für Kinder und für Erwachsene?
Oft gibt es nicht einmal eine gemütliche Caféteria mit anprechenden Öffnungszeiten.
Aufgrund von eigenen Erfahrungen mit Angehörigen in verschiedenen Heimen habe ich angefangen, zusammen mit der FHNW Games für AltersheimbewohnerInnen und für ihre Angehörigen zu entwickeln. http://www.myosotis.ch .Auf dass die Heime zu einem anprechenderen Ort werden!




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Andreas Laubenberger

Ich sehe das Problem ungenügender Betreuung vor allem darin, dass zu wenig Personal zur Pflege direkt am Bewohner angestellt wird, dafür zu viel im administrativen Bereich. Zudem wird das Pflegepersonal angehalten keine persönlichen Beziehungen zu den zu Betreuenden aufzubauen, sprich keine Emotionen, Gefühle, etc. zu entwickeln. Auf diese Weise darf und kann sich das Pflegepersonal gar nicht genügend um die zu Betreuenden kümmern. Pflege sollte jedoch nicht am Computer, sondern am Menschen geschehen.




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Erika Hostettler

Die eidg. Verordnung über die berufliche Grundausbildung Fachfrau/Fachmann Betreuung vom 16. Juni 2005 beschreibt den Beruf und regelt die Ausbildung:
Fachpersonen Betreuung begleiten Menschen aller Altersstufen mit oder ohne körperliche, seelische, soziale oder geistige Beeinträchtigung im Alltag und Freizeit. Sie unterstützen und fördern die ihnen anvertrauten Menschen individuell nach Lebensphase und Bedürfnissen. Sie achten insbesondere darauf, dass die betreuten Menschen ihre Selbständigkeit entwickeln oder erhalten können. Fachpersonen Betreuung arbeiten in …. Wohnheimen, Alters- und Pflegeinstitutionen. Sie müssen kontaktfreudig sein und Menschen gerne mögen. Sie sind neugierig auf andere Menschen und begegnen ihnen mit Offenheit, Respekt und Empathie. Es gelingt ihnen, sich auf die Eigenart des Anderen einzulassen und sie verfügen über Beobachtungsfähigkeit, Kreativität, Flexibilität und ein hohes Verantwortungsgefühl. Unabdingbar sind die Bereitschaft und die Fähigkeit, das eigene Handeln zu hinterfragen, über sich selbst nachzudenken, eigene Gefühle wahrzunehmen und selbständig Gedanken zu formulieren.
Die Fachrichtung Betagtenbetreuung wird im Kanton Bern nicht angeboten. Lernende dieser Fachrichtung besuchen die Schule in Luzern.
Quelle: http://www.oda-soziales-bern.ch/soziale-berufe/fabe-efz
Vielleicht wäre es an der Zeit, dies zu ändern.
Erika Hostettler, ehem. Geschäftsleiterin Schweiz. Fachstelle Ausbildung Betagtenbetreuung




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Bernhard Umhang

Wir diplomierten Aktivierungsfachfrauen und -fachmänner HF gehen davon aus, dass der Mensch auch mit schwersten Einschränkungen und bis ins hohe Alter entwicklungsfähig ist, nach grösstmöglicher Autonomie strebt und als soziales Wesen Austausch und Gestaltungsmöglichkeiten sucht.

Es ist daher zentral, Bewohnerinnen und Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen soziale Kontakte zu ermöglichen und gemeinsam mit ihnen eine aus ihrer Warte sinnvolle Beschäftigung zu finden.

Teilnehmende an Aktivierungsangeboten leiden oftmals unter schweren Einschränkungen. Diese können für die Klientinnen und Klienten im Extremfall auch Bettlägerigkeit zur Folge haben.
Im geschützten Rahmen begleitet und unterstützt unsere Berufsgruppe die Betroffenen in der Bewältigung ihrer sich ständig verändernden, schwierigen Lebenssituation.

Ein für die Klientinnen und Klienten sinnstiftendes Aktivierungsangebot stärkt die vielfältigen noch vorhandenen Ressourcen, gleicht Defizite wirkungsvoll aus und vermittelt Wohlbefinden und Lebensqualität.
Auf diese Weise gestalten wir mittels gezielter therapeutischer Begleitung gemeinsam mit unseren Klientinnen und Klienten gelingende Aktivierungsangebote. Zum Gewinn der Bewohnerinnen und Bewohner und zur Entlastung des Pflegepersonals.
Wir arbeiten dazu beziehungsorientiert und zielgerichtet. Die aktivierungstherapeutische Arbeit kommt ergänzend zu pflegerischen, betreuerischen und therapeutischen Massnahmen wirkungsvoll zum Tragen.

Höchste Zeit also, dass Politik und Gesellschaft auch den älteren Menschen, welche auf Betreuung und Pflege angewiesen sind, hohe Wertschätzung zuteil werden lässt, und jene Würde schützt, welche auch Menschen mit Betreuungsbedarf verfassungsmässig garantiert ist.

Bernhard Umhang
Dipl. Aktivierungsfachmann HF
Co-Präsident
Schweizerischer Verband der Aktivierungsfachfrauen / -fachmänner SVAT




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Priska Zeyer

Die Aussagen der Dozentin für Pflegewissenschaften, Eva Soom, über das Potenzial bei den Ressourcen der Pflegenden sind für mich haarsträubend:
Sie meint,“Die Pflegenden könnten beispielsweise beim Waschen am frühen Morgen mit den Leuten reden, anstatt die Tätigkeit einfach mechanisch hinter sich zu bringen. Dies erfordere aber eine hohe Sensibilität der Pflegenden“. Diese Aussage ist ein Affront allen Pflegenden gegenüber, die sich täglich für die Patienten und Heimbewohner einsetzen.
Als Pflegefachfrau ohne wissenschaftliches Studium und seit dreissig Jahren im Beruf ist es für mich selbstverständlich, dass mit den Leuten gesprochen wird während der Pflege. Dazu braucht es auch kein Studium. Ich sehe hier auch kein Potenzial für Ressourcen bei den Pflegenden. Sie nützen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit so gut wie möglich aus. Das Problem liegt bei den nicht bewilligten Stellen, und dafür ist der Kanton zuständig, bzw. die politischen Verantwortlichen. Schade kommen im Artikel nur Wissenschafter zu Wort und keine Personen, die die Pflege wirklich am Bett leisten.




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Rosmarie Minder-henzi

Was ich sehr traurig finde, ist, dass praktisch niemand von der Pflege einmal eine Viertelstunde sich zum Bewohner setzt und mit ihm oder ihr plaudert, sich nach seinem Befinden erkundigt und was ihm gefällt oder was nicht wissen will. Ich bin auch nicht sicher, ob beim Essen geholfen wird. Oder geschaut wird, ob richtig gegessen wird oder nicht.

Wenn man sich erkundigt, sagt man mir, wir zwingen hier niemand zu etwas, Was die Aktivierung betrifft, ist das Programm hauptsächlich auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet, für die männlichen Bewohner wird praktisch nichts geboten. Sehr schade. (die Männer sind, es ist so, in der Minderzahl.) wenn ich meinen Mann besuche, habe ich stets das Gefühl, dass die Organisation und der Tagesablauf wie eine Uhr abläuft, die Zuwendung an die Bewohner zu kurz kommt. Die Bewohner, die keine Angehörigen mehr haben, sind stark zu bedauern.




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silvia schläpfer

Es hat allgemein zu wenig Aktivierungstherapeuten, diese müssen jedoch eng mit der Geschäftsführung und den Pflegefachrauen zusammenarbeiten. Die Motivation der Bewohner muss berücksichtigt werden. Vorschläge müssen sachlich angegangen und geprüft werden. Leider werden nun die Altersfragen zum Politikum und sachlich wird nicht mehr entschieden. Diese Erfahrung habe ich als Freiwillige gemacht.




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Lisa Gabor

Seit die Altersheime von den Gemeinden an die profitorientierten Unternehmen verkauft wurden, ist die Misere unaufhaltsam gestiegen. Hauptsache Gewinn, Hauptsache dicke Saläre in der Plüschetage.

Gespart wird in der Pflege, und wie! So weit haben wir es gebracht. Super Perspektive für Leute, denen ein Eintritt ins Altersheim in den nächsten Jahren droht. Zahlen dürfen sie, aber bitte keine Ansprüche anmelden. Neubauten haben nicht mal mehr anständige Balkone oder Fenster. Aber diejenigen, die solche Zustände heute aufbauen, werden selbst mal dran kauen müssen.




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Iris Boss

Ich habe als Pflegefachfrau während 20 Jahren in der Langzeitpflege gearbeitet und dann in den Akutbereich gewechselt, weil ich die grosse psychische-und physische Belastung nicht mehr aushielt.
Zudem ist der Stellenschlüssel an tertiärem Personal viel zu klein. Qualitative Pflege will niemand bezahlen, ich finde dies sehr bedauerlich. Die Pflege wird zum Politikum verkommen! Alle Sprechen davon, aber an der Front passiert nichts. Die Leidtragenden sind die Patienten und das Personal.




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Eveline Nünlist

Ich arbeite als Aktivierungsfachperson in einem mittelgrossen, öffentlichen Altersheim im Kanton Bern. Wir sind ein Team von 5 Personen mit 300 Stellenprozenten für 120 betagte Menschen. Wir haben Glück, denn so gut dotiert sind lange nicht alle Alters- und Pflegeheime in unserem Kanton. Wir leisten sehr gute und wirksame Arbeit, die tatsächlich leider nicht abgerechnet werden kann, was wir als sehr ungerecht empfinden.

Die Aktivierung ist abhängig vom Goodwill der Geschäfts- oder Heimleitung. Wenn sich die Tendenz zu zu Hause-Betreuung solange wie möglich durchsetzt, wird unser Beruf gefährdet sein. Die Aktivierungsfachpersonen, die qualitativ hochstehende Arbeiten verrichten, kämpfen deshalb schon seit Jahren um eine besserer Anerkennung vonseiten der Gesellschaft und der Behörden.




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