21 Beiträge

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Peter Grunder

Studieren sollen an der Uni Bern hätte ich, heruntergekommen aus dem Berner Oberland. Ich fand mich nicht zurecht und war verstört: ob der Attitüden des Urbanen, des Akademischen und des Alternativen.
Die VVs waren so fruchtlos wie die Vorlesungen – mir blieben meine unerhörten Lieder und Texte und meine Sprays in silbriger Schulschrift an kahlen Wänden: Beziehunger, Alleingefercht, Akzeptotentanz, Patriarsch + Patridiot = Demokratastrophe.
Auch im Zaffaraya blieb ich mich mit meinem exterritorialen Bauwagen aussen vor: hier Athon und das abgehoben Esoterische, dort Jorge und das abgehoben Politische, zwischendrin und bodenständig etwa Steve.
Ich hätte ein zweites Christiania gewollt – mit Führungen, womöglich sogar mit Eintritt und jedenfalls in Absprache mit der Stadt. Keine Chance, ich konnte mich hüben und drüben nicht verständlich machen, geschweige denn durchsetzen.
Was bleibt, ist Erinnerung – an aufwühlend sprachlose Demos einerseits mit idiotischen, wütenden Burschen, andererseits mit traurigen Älteren – und ist Wehmut auch politischer Art, weil wir systemisch nicht wirklich weiter sind, obschon oder weil Alec am Ruder ist, ein alter Sympathisant und ein alter Berner.
Henusode.




15



5
Hans Boll

Die 80er waren die gelungene Flucht fur mich wie fur alle die sie suchten!
Erst 1980 hab ich mich schlussendlich so zurechttherapiert mit viek Tantra dass ich dann viel freier war und in meiner neuen fremden Stadt, eine neue Exiistenz aufbaute ganz ohne Karriere-Stress mit viel Kunst Musik und endlos lange Naechte, Geld verdiente wie man’s gerade brauchte ohne Stundenplan wie Taxi fahren nachts, das waren Zeiten mit all den Bekanntschaften , Partys, Zeiten wo man sich noch mehr gehen lassen konnte, nichts wie ab runter nach Mexico mit viel Tequilla Periote & Mushrooms und gar nie vom Flughafen weg wissend wohin es eigentlich geht sollte denn der erste Trip sass bereits ganz gut im Flug nach Guadalajara. Zuruck in der Stadt und einfach zu verdauen New Age Therapien und workshops waren uberall vorhanden – herrlich mit der Ankunft von Osho in Oregon war noch mehr los und selbst San Francisco war dann ploetzlich mit auffallend vielen rot bekleideten Leut auf der Strasse, ja selbst im eigenen Haus sind welche eingezogen und so wurde ich Teil und total blissed Sanayasin, waer da doch bloss nicht die Immigration gewesen leider auf‘ m Weg rauf nach Canada .. ‚und bloss nie mehr zuruck‘ wurde zum zweiten Mal wie ein geplatzter Traum. zehn Jahre zuvor aus Goa das erste Mal ’sent back to ZRH‘.




2



4
Gerhart Fiechter

Einen Rest Öffentlichkeit in einer zunehmend durchprivatisierten, werbegepflasterten und kaufpflichtigen Welt




10



5
Peter Künzler

Wir haben in dieser Zeit zusammen mit unsern kleinen Kindern in der Nähe von Washington DC gelebt. Bis heute erinnere ich mich an vereinzelte Berichte in der „Washington Post“, wo sich männiglich fragte, was denn diese wohlversorgten „white kids“ so furchtbar aufregte. Angesichts der riesigen Probleme etwa in Anacostia, dem schwarzen Ghetto, natürlich begreiflich. Wir haben auch aus der Ferne einigermassen verstanden, was in der Schweiz los war. Aber erklären konnten wir das unseren amerikanischen Freunden nicht.




12



1
    Eugen Engel

    Genau das war damals auch das Problem: Das damalige Etablishment begriff letztlich nicht, was da abging: Die Beatles-Welle, die die damals Jungen entfesselten. Der Vietnamkrieg, weit entfernt auf einem anderen Kontinent – mit einem kommunistischen Norden, den man „in die Steinzeit zurück bomben“ wollte (der damalige General Westmoreland); der Watergate-Skandal enthüllte die paranoiden Methoden von Nixon erst später; – Sofern man nicht irgendwie „betroffen“ war (Colored People, in den Krieg eingezogen oder nicht auf amerikanische Erfolgsspur drauf – was immer als „persönliches Versagen“ gewertet wurde) – der oder die „begriffen“ einfach nicht, um was es da ging. – Man kann sich die etablierte Welt heute schlicht nicht mehr vorstellen, mit welcher Repression die Bürgerlichen alle, die aus irgend einem Grund „aus dem Rahmen fielen“ (geschieden, andere Hautfarbe, andere politische Ansichten, LGBTQ usw. – von alleinstehenden Frauen nicht zu reden…) ausgrenzten und ächteten.
    Damals galt – was eigentlich in vielen Bereichen auch heute gilt: Für gewisse Problemkonstellationen bringt man erst dann Verständnis auf, wenn man sie am eigenen Leibe miterlebt.




    15



    3
Hans Flury

Ich bin Mitglied der Fasnachtsgruppe „Bärentatze“. Wir machten in den 80iger-90igern die sogenannten Gags an der Berner Fasnacht. Produktionen, meist Statuen, die noch über die Fasnachtstage hinaus stehen blieben. So 1988 auf den verwaisten Sockel der Justitia den „Janus“, eine Seite Demonstrant, andere Seite der gleichen Figur Polizist in Kampfmontur. Die Stadtbehörde liess die Figur sofort entfernen, musste sie aber auf unsere Interventionen wieder hinaufstellen, denn sie rief ja zu gegenseitigem Verständnis auf. Hans Flury, jetzt 88 jährig !




19



3
André Descloux

Meine Erinnerungen sind gemischt. Ich arbeitete im Informatik Support im Fischermätteli Viertel und hatte jeden Tag Bereitschaft bis 17 h. So musste ich wegen nicht fahrenden ÖV nach Feierabend vom Bahnhof bis zum Blankweg in Ostermundigen eine Wanderung mit Umwegen unternehmen, was meiner Kondition zwar gut tat, meine Laune gegenüber den demonstrierenden Personen immer schlechter wurde. Ich war erleichtert, als ein Ende kam, ging jedoch seither bis zur Pensionierung jeden Arbeitstag über Mittag zwei Stunden spazieren.




14



0
Simon Lutz

Die ‚Bewegig‘ war mein ‚Black Swan‘ Erlebnis. Ich war gerade 17 Jahre alt geworden sass noch in der Schule. Auf einmal war alles andere als die ‚Bewegig‘ nicht mehr wichtig. mann ging auf die Strasse um ein eigenes Kulturzentrum zu fordern. Es war eine ungemein spannende Zeit, beinahe jede Demonstration war nicht legal, aber dass machte uns nichts aus. Wir haben gekämpft für unser Ziel und haben es erreicht, zum Teil mit Gewalt. Dass hat mir auch die Augen geöffnet, Demonstrationen ohne Gewalt bringen meistens nichts. Erst wenn man zu Gewalt bereit ist, wird die andere Seite (meist die Regierung) dazu gezwungen zu reagieren. Eerst natürlich auch mit Gewalt, schicken die Polizei, aber wenn man lange genug durchhält dann begreift die Regierung Mal dass en mehr lohnt um zuzugeben. Der Ökonomische Schaden wird anders zu gross. Die 80er Jahre Bewegung war eine Fortsetzung der 68er Proteste aber weniger Intellektuell dafür praktischer, wir haben mehr erreicht als die 68er, der Beweis: Die Reithalle steht noch immer.
Es hat mein Verhältnis zur Gesellschaft nachhaltig geprägt. Ich habe seitdem ein Blick für die unterdrückten der Erde, die ‚Have-nots‘ habe mich eigesetzt für allerlei ‚charities‘. Und btw den Namen ‚Zaff‘ den habe ich bedacht.




19



23
    Eugen Engel

    Ich kann Ihre Überlegungen zwar nachvollziehen, stimme diesen jedoch trotzdem nicht zu: Kurz gefasst kann man sagen, dass die 68-er-Proteste mehr ideeller Natur waren und gegen die Machtblöcke gerichtet im Zeichen des Kalten Krieges: linksgerichtet gegen die USA und den Vietnamkrieg, aber auch gegen die damalige UdSSR und die Niederwalzung des Prager Frühlings. Zudem war sie der Ursprung von Stonewall; die grosse Protestbewegung der LGBTQ, die später zu grösserer Akzeptanz von Lesben & Schwulen führte – und in die Gleichberechtigung der Ehe für alle in der heutigen Zeit führte. – Die Reithalle, die heute noch steht, als einzigen praktischen Beweis anzuführen, greift da ziemlich zu kurz. – Auch der Frauenprotest letztes Jahr ist geweissermassen eine Fortsetzung der 68er.




    18



    2
Manfred Leibundgut

In den 80er-Jahren wurde Selbstverwaltung sowohl in Betrieben (Architekturbüros, Liegenschaftsverwaltung) wie im Wohnen mehr und mehr angestrebt.

1984 wurde die «WOGENO Bern» von 7 engagierten Berner*Innen gegründet, welche im Bereich Architektur, Liegenschaften und in der Politik aktiv waren. Seither kauft, baut und finanziert die WOGENO Bern Gebäude, um diese dauernd der Spekulation zu entziehen. Dadurch entsteht preisgünstiger Wohn- und Arbeitsraum und es werden sichere und gemeinschaftliche Wohnformen verwirklicht.

Von den ca. 10 Liegenschaften, welche die gemeinnützige WOGENO nachhaltig und sozial verwaltet, stehen 6 in der Stadt Bern (u.a. am Klösterlistutz, in der Lorraine und in Bümpliz-Bethlehem sowie weitere 4 in der Region Bern.

Die WOGENO Bern ist ein verlässlicher Partner im genossenschaftlichen Wohnungsbau, integriert ihre Bewohner*Innen in die Entscheide und dient als Vorbild für neu entstehende ‚junge‘ Genossenschaften. Eine sichere, engagierte und vielfältige Wohnkultur – basierend auf jahrzehntelanger Erfahrung seit den 80er-Jahren – ist ebenso wichtig wie kulturelle Freiräume usw.




25



12
Roland Stübi
Adam Schmid

80er? War da was? Höchstens eine Randnotiz der Geschichte. Wenn schon, dann waren es die 68er, die die gesellschaftliche Entwicklung stark geprägt und die konservativen Strukturen aufgebrochen haben. Leider gibt es immer Aktion und Reaktion – unabhängig vom politischen Standpunkt. Die Linken waren 68 für die Freiheit und wollten aus dem Staat „Gurkensalat machen„. Heute sind ihre Söhne und Töchter unheimlich staatsgläubig und wollen dem Bürger in jeder Situation vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat.




23



75
Röbu Hofstetter
Andreas Indermühle
Rudolf Gafner

Mundartroman über die bewegten 60-80er Jahre.(noch unveröffentlicht, 180 Seiten)
Ein Auszug:

„Wälle um Wälle het sech uf die Wand us Polizei zuebewegt. U de het doch e Typ i re Bomberjagge es Molotow-Cocktail hingerfüre gschosse. Paff! d Hose vom Polizeigrenadier faht Füür. U jitz tritt Plan 3 in Aktion. Visier zue. Fuscht a Gummichnüppel. Tränegasschütze i Stellig.

D Fotoreporter göh i Deckig: Aaachtung – Tränegas! Während e Wasserwärfer der brönnend Tschugger probiert z lösche, isch d Verteidigungsreihe zum Agriff vorgrückt. Der aggressiv Sprüehnäbel het i den Ouge brönnt wie d Sou. U der Chor het vo «Dubcek-Svoboda»-«Dubcek-Svoboda» sekundeschnäll gwächslet zu «Bullen-Nazi-Nazischweine!»
Es paar Winkelriede hei mit blosse Händ am Stacheldraht afaa schrysse. Das isch nid guet gsi. Wüll sie hei so de Gsetzeshüeter ersch rächt der Wäg freigmacht. Und hei drum als Ersti eis uf d Rüebe übercho.

Aber jitz isch öppis passiert, wo der Micha Jung nie meh wird vergässe: der Fred, dä Fätze us em Schuttklub isch uftoucht. Vo Natur e gmüetlechi Moore. Aber jitz e gfürchegi Kampfsou. Fasch 2 Meter gross i syre der schwarze Montur. Nie im Läbe hätt ne der Micha erkennt hinger em Visier u der Gasmaske; i Lädergamasche statt i sportlech gälbe Stülpe.
Aber der Fred het nid öppe uf sys Visavis yzdrosche «Auf Gesäss und Rücken» wie’s der Ysatzbefähl het vorgseh. Nenei, em Fred sy Arm isch zmitts ir Bewegig blybe stah. Und so wie uf em Schuttplatz isch er ou hie im grösste Gschlegel cool blybe. E umsichtige Verteidiger.

Der Micha het ersch gmerkt, wär ne da a verschont, wo sech der Gummichnüppu sänkt, statt zuezschlah. Wo sech d Maske e Spalt breit lüpft und e vertrouti Stimm seit: «Chumm verschwind Micha, aber dalli!»

Ringsum haglets Glasfläsche u Chempe. Sys Chini blüetet vom ne Träffer. Zur Musig vo «Street fighting man» kämpft er sech im Off-Beat vo de Schlagstöck dür ne fanatische «Tötet-die-Bullen-Mob» am Brunnadere-Rain. Jitz ersch rächt steit jede z Prag uf em Wenzelsplatz. Im Kampf für d Demokratie. U-nes russisches Panzerrohr zielet uf sy Brust.

Nach däm Schock isch der Micha e Summer lang überhoupt nümm nache cho. Ds Wältbild isch definitiv verrütscht gsi. Wie söll me’s o verstah, dass d Stadt Bärn der amerikanisch Vietnam-General Westmoreland empfaht?! Dass zwüsche de Granium ir Gass ds Stärnebanner hanget? Das Tuech wo z «Mi Lay» mit Bluet besudlet worden isch! Was muess Amerika o ging syni Finger überall ynestecke? U der Russ hinger em ysige Vorhang isch mygottseel ke Spur besser.

Mit Panzerkettine der politisch Früehlig ir Tschechei plattwalze!! Geits de no? Was söll das für ne Sozialismus sy, wo nes Bruedervolk ungerdrückt!? — Nei, der Micha het vo jitz aa kere Supermacht me trout. Weder de Amis no de Russe. Und eigetlech het’s ihm yglüchtet: dass d Studänte – wo nach der Meinig vor Muetter nume z fuu sy zum Schaffe sy – dass die Studänte meh Zyt zum Nachedänke hei als e Bankstift, wo der ganz Tag am Bügle isch. D Studänte wärde wohl wüsse, werum si uf d Strass göh. U werum me der Kapitalismus sött abschaffe!»




28



18
Nach oben