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Ihr Wohnort/Wohnquartier in Bern

Oh – nicht plötzlich, aber lang ersehnt! Mit 42 verliess ich meinen keineswegs ungeliebten Job, nachdem ich mich etliche Jahre auf Diplom-Prüfungen der „Canadian Equestrian Federation“ vorbereitet hatte. 1991 wagte ich die berufliche Selbständigkeit, um meinen wesentlich älteren und schon länger an seinen Leistungsgrenzen arbeitenden Partner auf seinem Pferdehof zu entlasten. Das kostete mich den grössten Teil meiner ausbezahlten Pensionskasse. Mein Partner ist dennoch einige Jahre später gestorben, und ich übernahm den Betrieb – auch das Bauernhaus samt Land drum herum im Baurecht, weil andernfalls nicht nur ich, sondern mit mir alle Pferde, Hunde, Katzen, Hühner auf der Strasse gestanden hätten …. you get the picture! Ein Jahr später zog ich um in einen kleinen Wohnwagen hinterm Haus, während meine Mutter, ihr Ehemann und meine 100jährige Grossmutter die Wohnung im Bauernhaus bezogen. Nun standen wir alle gleichsam nur noch unter Gottes Schutz …. dann die grosse Ueberraschung und Wende: einer meiner Reitschüler, der Deutsch-Balte Alex, der immer wieder aus seinem Ruhestands-Domizil in Florida angereist war, teilte mir mit, dass ich seine zweite Frau werden und mit ihm in Florida leben würde! Wie sollte das wohl gehen?! Meine Schwester wusste, wie: „Wir übernehmen das Ganze hier, wir managen das schon und bauen uns eine Wohnung unterm Dach. Mom erhält lebenslanges Wohnrecht, und Du kannst zu Alex nach Amerika auswandern!“ So einfach! Wir heirateten 1998, er wurde US-Bürger, und ab 2001 brauchte ich nicht mehr hin und her übern Atlantik zu fliegen. Ich war tatsächlich im neuen Leben angekommen. Rasch lernte ich fliessend amerikanisches Englisch zu reden und zu schreiben und versuchte , im Land of the Free und der unbegrenzten Möglichkeiten mit fast 50 Jahren „in business“ zu kommen. Wieder alles ganz einfach – nur bekam Alex 2002 eine Diagnose auf Alzheimer’s. Ich machte erst mal weiter mit allem, was ich mir vorgenommen hatte – inclusive Umzug in ein neues Haus in einer pflegeleichteren und weniger teuren Umgebung als die Stadt im Südosten. Dorthin kehrten wir erst wieder zurück, als Alex in seinen letzten drei Lebensmonaten medizinische Pflege brauchte, wie ich sie zuhause nicht mehr bewältigen konnten. Im Herbst 2008 ist Alex nach 2 Tagen im Hospiz schmerzlos und friedlich gestorben. Nun war ich eine Witwe mit nach 10 Jahren ohne GreenCard immer noch provisorischer Niederlassung. Wieder liess ich alles hinter mir und kehrte genau dahin zurück, von wo ich aufgebrochen war – mit meinem kleinen Hund, etwas Startkapital und einer winzigen Witwenrente. Irgendwie ging das, 7 Jahre lebte ich wieder mit Mutter im Bauernhaus …. aber als ich endlich, endlich meine AHV erhielt, war es höchste Zeit für einen erneuten Tapeten-Wechsel! „In no time“ fand und erhielt ich, nunmehr als Mieterin, ein geräumiges, sonniges und bezahlbares Studio, „in walking distance“ oder mit guten Busverbindungen zu allem, was man im Alter so braucht. Und, ja, ich geniesse jeden einzelnen Tag, an dem ich völlig frei bin zu tun, was ich am liebsten möchte: Im Wald laufen gehen, mit oder ohne Hund, und Bücher lesen! Ich schaue ins Grüne und freue mich an den Vögeln, die da herum hüpfen, an spielenden Hunden und patroullierenden Katzen. Gehe regelmässig meine Mutter im Altersheim besuchen oder habe sie hier zu Gast. Gönne mir Bio-Lebensmittel und hochwertige, eher sportliche als modische Kleidung. Bin mobil und meistens gesund – achte auf Signale meines Körpers, die ich früher so oft ignoriert hatte , mit der stereotypen Begründung von gefassten Tätern im TV-Krimi: „Was hätte ich denn tun sollen? Ich hatte keine Wahl!“ Nun habe ich eine Wahl, bedanke mich bei meinem Körper für seine Geduld und bemühe mich, so einiges wieder gut zu machen. Bin jetzt 71 und finde: Life is good!




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marie keller

Wenn ich Glück habe, dann werde ich erst in 15 Jahren pensioniert werden. aber ich freue mich schon darauf, meinen Alltag endlich selbst bestimmen zu können, soweit es geht. die Fremdbestimmung durch die Arbeit und was sie mit sich bringt, macht mir schon jetzt zu schaffen. denn die Arbeit und das drum und dran bestimmt immer wie mehr meinen Alltag. es fällt mir immer wie schwerer, meinen Alltag mit der Arbeit zu verbinden.
ich würde das tun, was ich schon in meiner Freizeit sehr viel mache: lesen, wandern, reisen, kochen, essen und mich intensiv mit dem weltgeschehen beschäftigen. und sollte ich irgendeinmal einen Garten haben, dann werden ich gärtnern und Hühner halten.
ich gönne jedem seinen (un)Ruhestand – ich mir nämlich auch, wenn es dann soweit ist.
habt spass am Leben, es ist so verdammt kurz…




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Zwar hatte ich einen durchaus anspruchsvollen und vielseitigen Beruf, aber ich war nie mit meiner Arbeit „verheiratet“ – das heisst, ich pflegte schon immer diverse andere (kulturelle und kreative) Interessen. Ganz bewusst suchte ich diese Vielseitigkeit und war mir dabei durchaus bewusst, dass ich auf diese Weise niemals die ganz grosse Karriereleiter hochklettern würde. Eine inhaltlich befriedigende und auch materiell ausreichend dotierte Stellung konnte ich mir aber trotzdem erarbeiten. Zudem schaute ich immer darauf, nicht „von der Hand in den Mund“ zu leben, sondern stets ein wenig zurückzulegen.
Jetzt, als Pensionierter, geniesse ich nicht nur die Früchte dieser Sparsamkeit, sondern vor allem auch die immaterielle Befriedigung, dass ich nicht erst nach einem „Zeitvertreib“ (welch schreckliches Wort!) suchen musste, sondern dass ich ganz einfach meine verschiedenen ohnehin schon bestehenden ausserberuflichen Aktivitäten etwas weiter intensivieren konnte, um so meine „ewigen Ferien“ in sehr befriedigender und aktiver Weise zu gestalten. Deshalb: wer seine Pensionierung allzu kurzfristig plant und vorher ausschliesslich für seine Arbeit lebt, verpasst möglicherweise genau diesen sanften Übergang und läuft Gefahr, in das sprichwörtliche „Pensionierungsloch“ zu fallen. Oder nochmal anders: carpe diem, und lebe nicht, um zu arbeiten, sondern arbeite, um zu leben!




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Peter Staudenmann

An sich stehe ich jetzt etwa sieben Wochen vor meiner Pensionierung. Das Gefühl des „bedingungslosen Grundeinkommens“ geniesse ich nun aber schon seit einem Jahr; ich liess mich im letzten Sommer teilpensionieren und behielt bloss eine Mini-Anstellung. Da es in meiner Arbeit als Lehrer immer viel Gestaltungsfreiraum gab, hatte ich keine Mühe mit dem Übergang. Wie früher erlebe ich jetzt Phasen intensiver Betätigung und solche in sehr entspanntem Rhythmus. Ein schöner Unterschied ist, dass vieles nicht mehr termingebunden ist. Alt zu werden wurde mir vierzig Jahre lang erleichtert durch den täglichen Umgang mit Jugendlichen; die halten das Denken und Fühlen auf jeden Fall auf Trab… Alt sein ist ein relativer Begriff; mein Vater sagt mit 95: „Mein Sohn wird pensioniert – jetzt werde ich doch langsam alt!“. Für mich gibt es immer etwas zu tun; das oft zu hörende Problem der „fehlenden Struktur“ kenne ich nicht. Ich hatte das Privileg, meine Arbeit gern zu haben und wurde durch sie auch nicht ausgelaugt. Deshalb brauche ich auch keine Regenerationszeit. Als ich in einem Interview zum Pensioniertsein las: „20 Jahre Ausruhen ist auch keine Perspektive“, musste ich zuerst herzlich lachen, wurde dann aber nachdenklich. Leider gibt es genug Arbeitssituationen, welche Menschen so aussaugen und niederdrücken, dass sie die Pensionierung nicht – oder nicht sofort – aktiv und lustvoll gestalten können. Das Pensionsalter bringt neue Schubladisierungen: Ich gehöre jetzt oder schon bald zur Corona-Risikogruppe, ich gelte als träger „Golden Ager“ und werde mit Kreuzfahrtangeboten eingedeckt, die Migros schickt Senioren-Einkaufsgutscheine, man möchte mir eine Finanzplanung aufdrängen, usw. Machen die Jahrringe aus, was ein Baum wert ist?




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Erika Affolter

Endlich konnte ich mich pensionieren. Es war sehr herausfordernd, auf Abruf zu arbeiten und sich immer wieder beim Raf zu melden. Der ehemalige Betrieb wollte die 9 % BVG Beitrag nicht mehr bezahlen. Eine Junge kostete ihn bloss 3,5 %.

Auch während des Lockdowns war mir nie langweilig – obwohl ich keinen Fernseher besitze. Langsam erwachte die Natur und bot schönste Fotosujets in meinem Quartier. Die Zeitungen wollten gelesen und E-Mails beantwortet werden. Eifrig nützte ich auch das Telefon. Etwas Haushalt war und ist auch zu erledigen. Es gab auch viel zu lachen, wenn die Spatzen auf dem Balkon den Meisenknödel bearbeiteten.

Aktuell ist ein Gang zu den Störchen interessant (Militärgebäude an der Papiermühleallee) und im Internet unter Berner-Storch. Die beiden Jungstörche erproben die Kraft ihrer Flügel.




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Gabriela Zouggari

Was hat mich dahin gebracht, wo ich heute stehe?
Der Zeitgeist war mir gnädig. Qualitäten wie Selbstverantwortung, Freundlichkeit, Fleiss, Rücksicht, Zuverlässigkeit, Freude am Einsatz, Fähigkeit sich einzufügen, grenzen zu akzeptieren, Individualität nicht über alles zu stellen, das zum Beispiel waren anerkannte Werte, die von mir und vielen Menschen meines Jahrganges als erstrebenswert empfunden worden sind und Lebenserfolg gebracht haben.
Welche Pläne kann ich endlich umsetzen?
Pläne? ich bin froh, wenn ich ungestört leben kann. Dazu gehören Naturerlebnisse, kein Märm, angenehme menschliche Begegnungen.
Welche träume begraben?
Wenn das eben ausgeführte nicht mehr möglich ist, gibt es keine Träume mehr.




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Hans Peter Zürcher

Man wird ja nicht „plötzlich pensioniert“. Entweder man erreicht das ordentliche Pensionsalter oder man lässt sich frühzeitig pensionieren. In jedem Fall muss man ja die Pensionierung „wollen“.

Ich wurde vor ziemlich genau 7 Jahren pensioniert, auf meinen Wunsch 2 Jahre früher mit entsprechenden Renteneinbussen.
Ich habe es nie bereut.

Vom ersten Tag an tat ich das, was ich mir vorgenommen hatte.
1. Keine Uhr mehr tragen und keine in der Wohnung, Handy, nur für Notfälle
2. Keine Planung, also kein „am nächsten Samstag um 21.h Essen bei Ruedi“ oder in drei Wochen am Mittwoch um 14h Tennis
3. Schlafen und Essen dann, wenn ich müde bin bzw. Hunger habe.
Mit diesen 3 Motti habe ich meine Pensionierung hervorragend „bewältigt“. Ich hatte noch nie Langeweile, fühle mich erstmals in meinem Leben „frei“ (trotz Corona) und kann endlich tun und lassen was ich will.




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Daniel V. Moser

Während meiner ganzen Berufstätigkeit konnte ich den für mich idealen Job ausüben und hatte die Chance, stets sehr gute Vorgesetzte zu haben. In all diesen Jahren habe ich mich nie gelangweilt, weshalb der Übergang ins Rentnerdasein mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden war. Was ich in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen erfahren habe ist die Tatsache, dass dieser Übergang sehr unterschiedlich erlebt wird. Ich denke, der Staat (und auch die privaten Arbeitgeber) sollten für viel mehr Flexibilität in der Pensionierung sorgen, d.h.leichter Früh- oder Spätpensionierungen möglich machen. Und zudem: Gerade staatliche Einrichtungen haben oft Mühe, das Potential ihrer Rentnerinnen und Rentner zu nutzen. Im modernen Internetverkehr sind oft Daten nicht erreichbar, wenn man nicht irgend einer Institution angehört.




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Silvia Brun

Pensioniert zu werden ist eine Herausforderung. Es ist normal, dass man zuerst einmal gar keine Termine haben möchte, wenn man vorher jahrelang gesetzte Programme abgespult hat. Die grosse Freiheit ist zuerst ungewohnt und man ist gezwungen, sich zu fragen, was einem wirklich wichtig ist. Es braucht Zeit um herauszufinden, was wirklich zählt, wenn der äussere Druck wegfällt. Aber es ist eine sehr heilsame Reise zu sich selbst. Und wenn man (wieder) gelernt hat, etwas mit sich selber anzufangen, lernt man das Privileg schätzen, nicht mehr in den Arbeitsprozess eingespannt zu sein und Erwerbsarbeit leisten zu müssen.




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Christian Müller

Ich erreichte meinen ordentlichen Ruhestand vor 4 Jahren und trat fast nahtlos in die Rolle des Grossvaters. Hinsichtlich meiner Fremdbestimmung hat sich mein Leben jedoch wenig verändert: früher war es vor allem die Arbeit und heute die Familie sowie weitere mir selbst auferlegte Rhythmen. Mit wenigen Ausnahmen verläuft der Tagesablauf nach einem von mir selbst vorgelegten Plan. Zur Zeit fühle ich mich nach wie vor in einen gesellschaftlichen Aktivitätsprozess eingebunden, der mich fordert und braucht.
Daneben habe ich für meine Interessen und Hobbies neue Freiräume geschaffen, die ich heute mit Passion nutze. Zudem ist es mir ein Anliegen, meine familiären, freundschaftlichen und professionellen Netzwerke weiterhin zu pflegen und sich regelmässig persönlich und über die elektronischen Medien auszutauschen. Zwischendurch nehme ich mir einige Stunden Zeit, einfach nichts zu tun und meinen Tagträumen zu nachzuhängen. Ich freue mich jeden Morgen, die unmittelbaren Lebenspläne und -ideen umzusetzen. Meine grossen Lebensziele habe ich bereits vor Jahren erfüllt; ich lasse mich jedoch gerne überraschen, was die Zukunft für Überraschungen zu bieten hat!




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Samuel St

Am 20. Juni binich 65 geworden ich fühle mich leer. Hatte viel vor und jetzt fehlt mir der Antrieb!




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