Rolf Helbling
01.05.2019 09:19:14
Grundsätzlich finde ich die Idee grossartig. Aus der Gegend könnte man wirklich mehr machen. Bisher gehen eigentlich kaum Touristen (oder Einheimische) dorthin, ausser schnell mal in (höchstens) ein Museum und gleich wieder zurück Richtung Altstadt. Da liegt ein grosses Potenzial brach, ein neuer Treffpunkt ein kleines bisschen abseits der üblichen Trampelpfade, für Touristen ebenso wie für das Quartier. Dass man diese speziellen Museen etwas mehr ins Bewusstsein rückt finde ich einen guten Ansatz, denn mal ehrlich, Kunstmuseen sind doch überall sehr ähnlich, überall sieht man ein paar Bilder von Picasso oder Van Gogh und so, aber Berner Geschichte, Einstein, die Alpen oder Kommunikation, das findet man nicht in jeder Stadt. Ich rate unseren Gästen immer, diese Berner Eigenheiten anzuschaun. Allerdings wird auch mir ein bisschen schwindlig bei Beträgen von 250 Millionen - das wird man schon gut erklären müssen, wenn es soweit ist. Da muss dann schon mindestens ein richtig schöner Park dabei rausschaun, offen und einladend für alle, nicht hinter Gittern, die abends geschlossen werden, mit einem Restaurant, das abends ebenfalls bis spät geöffnet hat. Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Museen fände ich auch wichtig. Will man tatsächlich deutlich mehr Leute in die Museen locken, muss sich vieles ändern - es gibt so viele Leute, die eigentlich nie ins Museum gehen. Da könnte man sich im Ausland mal ein bisschen nach Ideen umschaun. Ich war schon in Städten, wo der Eintritt schlicht und einfach gratis war (so wie wir es zum Beispiel mit den Freibädern machen). Oder man könnte einen Museumspass verkaufen, mit dem man für verhältnismässig wenig Geld mehrere Museen besuchen kann, Tages- oder Mehrtagespässe, und das prominent bewerben. Flatrates aller Art sind ja extrem populär heutzutage. So würden die Leute vielleicht tatsächlich ein bisschen mehr Zeit in Bern verbringen, statt nur von hier aus nach Luzern, aufs Jungfraujoch usw. zu pendeln. Bei all dem sollte man aber die Berner Bevölkerung nicht vergessen: Wenn sie 250 Millionen dafür aufwirft, sollte sie nicht auch noch 24 Franken für einen einzelnen Eintritt ins Historische Museum bezahlen müssen. Dafür müsste dann schon ein ganzer "Museumstag" drinliegen, mindestens. Man würde dann vielleicht auch mal ein ein Haus gehen, in dem man noch nie war.
06.04.2019 12:43:18
Schon komisch, genau die Parteien, die auf Umweltsünder keinen Druck ausüben wollen und höchstens auf «Anreize» setzen, machen genau das Gegenteil, wenn es um die Schwächsten in unserer Gesellschaft geht und nehmen denen, die am wenigsten haben und kaum Einfluss haben auf Politik und Wirtschaft, immer noch ein bisschen mehr. Dabei stehen diese Leute (jedenfalls die meisten) auch so schon unter mehr Druck, als ihnen gut tut. Was noch mehr Druck anrichtet versteht sich von selber, denke ich. Ich finde das einfach nur beschämend. Ich erinnere mich, wie in meinem Lehrbetrieb ein stark eingeschränkter Mann gearbeitet hat und dort für einfache Arbeiten eingesetzt wurde. Wenn das heute niemand mehr machen will muss man die Firmen halt dazu zwingen, zum Beispiel indem man ihnen sonst keine staatlichen Aufträge mehr gibt oder mit einer Strafsteuer, die dann wiederum in die Sozialhilfe fliessen würde. Aber so wie heute kann es nicht weitergehen. Dass diese Leute nicht arbeiten können und Geld für's NIchtstun kriegen, auch wenn sie arbeiten wollen und können, ist nicht nur eine persönliche Tragödie, sondern auch wirtschaftlicher Unsinn. Ich fände es sinnvoll, wenn man Sozialhilfebezüger, die unbezahlte Freiwilligenarbeit leisten, irgendwie belohnen würde. Immerhin leisten sie auch einen Beitrag für die Gesellschaft. Natürlich gibt es Leute, die das System ausnutzen, aber soll man wegen denen alle anderen bestrafen? Ich finde nicht. Da Sozialbetrüger oft noch schwarz arbeiten tun ihnen 100 Franken weniger auch gar nicht weh, es trifft einzig und alleine die ehrlichen Leute. Deshalb war ich damals auch für das Einsetzen von «Sozialdetektiven», um ausschliesslich die schwarzen Schafe unter Druck zu setzen und nicht diejenigen, die wollen aber nicht können. Uns geht es gut, ich müsste mich schämen, wenn ich irgendeiner Kürzung von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder etwas in der Art zustimmen würde.
27.02.2019 07:00:11
Das Thema hat für mich zwei wichtige Aspekte. Einerseits geht's um Sauberkeit, also darum, wie es aussieht in der Stadt. Da gibt es durchaus einiges an Verbesserungspotential. Littering ist in erster ein Problem von fehlendem Anstand. Ist es tatsächlich Aufgabe der Stadt, fehlende Erziehung nachzuholen bei Jugendlichen und bei Erwachsenen? Drakonische Strafen sind auf den ersten Blick ein probates Mitttel, aber will man wirklich das Liegenlassen von Abfall härter bestrafen als zum Beispiel lebensgefährdendes Verhalten im Verkehr oder sonstwo? Da habe ich doch ernsthafte Zweifel. Hinterherwischen auf der anderen Seite ist auch irgendwie blöd, da gewöhnt man sich nur daran, bis irgendwann Sprüche kommen wie "Ich rette so den Job des Strassenwischers". Vielleicht sollte man einfach regelmässig einmal pro Woche den Abfall NICHT wegräumen. Und etwas später dann mehr und grössere Abfalleimer (Abfalltrennung nicht vergessen!) montieren und ein paar Infoplakate aufstellen, zur Not auch jemanden an die Hotspots abkommandieren, der Abfallsünder "ermahnt". Das Andere ist unser verschwenderischer Umgang mit Verpackungsmaterial und Ähnlichem. Da helfen wohl wirklich nur Gesetze. Aber ein paar Rappen mehr werden nur auf die Konsumenten abgewälzt, so raffiniert, dass man es wahrscheinlich gar nicht mitbekommt und ganz sicher nicht weh tut. Da braucht es meiner Meinung nach glasklare Vorschriften und/oder Verbote, wenn Verhandlungen mit den Anbietern nicht fruchten. Ein Anfang wäre zum Beispiel der leidige Pappbecher für den Kaffee unterwegs: einfach verbieten. Nach ein bisschen Murren und Knurren wär er innert kürzester Frist ersetzt durch ein wiederverwendbares Modell. Plastikverpackungen könnten auch massiv reduziert werden, Mehrweggeschirr für Fast Food müsste vorgeschrieben werden. Auch das würde klappen, wenn der politische Wille da wäre. Ob die neue Abgabe der richtige Weg ist? So wie sie jetzt konzipiert ist sieht es mehr nach einer versteckten Steuererhöhung aus, die keine echte Reduzierung des Abfalls bewirkt, sondern nur das Wegräumen jemand anderem aufbürdet. Das reicht nicht, finde ich.
28.01.2019 09:29:02
Aus meiner Perspektive als Stadtberner ist die Polizei im Alltag kaum spürbar, ausser bei Demos - wo sie dann, jedenfalls optisch, umso aggressiver auftritt. Tatsächlich scheinen Polizisten heute den Grossteil ihrer Zeit im Büro oder unterwegs nach weiss Gott wohin im Auto zu verbringen. Man sieht selten die Gesichter von Polizisten und so verlieren sie den Kontakt zur Bevölkerung. Das Hauptproblem in der Stadt Bern ist meiner Meinung nach, dass die meisten Polizisten ganz anders ticken als die Mehrheit der Stadtbevölkerung. In dem Ausmass, in dem die Stadt links geworden ist, wurden die Polizisten rechter und wohnen auch nicht mehr hier. Sie haben wenig bis kein Verständnis für die hiesige Lebensart und sehen in der Stadt, speziell im Umfeld der Reithalle, lauter Feindbilder, die doch grossmehrheitlich nur in Ruhe gelassen werden wollen. Für ein linkes Engagement für eine sozialere Gesellschaft haben sie wenig Verständnis. So ist ein ideologischer Graben entstanden zwischen Kantonspolizei und der Stadtbevölkerung und er wird immer grösser. Kein Linker wird heutzutage noch Polizist, er würde dort wohl seines Lebens nicht froh. Meiner Meinung nach sollte die Polizei, jedenfalls in der Stadt, viel mehr zu Fuss und als "Freund und Helfer" auftreten, nicht mit dem Maschinengewehr im Anschlag und dem Finger am Abzug, wie es in letzter Zeit in Mode gekommen ist. Körperlich und geistig anwesend, mit einer positiven Ausstrahlung im Sinne von "wir sind da, wenn Sie uns brauchen". Und wenn sie zum Beispiel Dealer jagen will, was ich durchaus begrüsse, soll sie das tun. Aber mit einer intelligenten Taktik, nicht am Samstagabend auf dem überfüllten Vorplatz der Reithalle - sie geht ja beim Abbrennen von Pyros auch nicht in den YB-Fanblock, weil sie keine Unschuldigen gefährden will. Dass es eine wirklich unabhängige Ombudsstelle braucht, ist gar keine Frage. Heute ist man der Polizei machtlos ausgeliefert, und sie weiss das auch. Engagierte junge (linke) Leute werden gerne verhaftet und zum Teil schikaniert und erniedrigt und kein Polizist wird jemals zur Rechenschaft gezogen - sein Wort gilt, das des Verhafteten nicht. Das darf nicht sein, das ist eines Rechtsstaates nicht würdig. Mit dem neuen Polizeigesetz wird die Macht der Polizei noch grösser, sie braucht die Teilnehmer einer Demo nur zum Gehen auf zu fordern und schon sind alle, die sich nicht auf der Stelle in Luft auflösen, automatisch Straftäter. Die Gewaltentrennung geht so nach und nach verloren. Die Polizei muss besser kontrolliert werden.
18.01.2019 13:17:01
Es ist höchst erfreulich, aber auch allerhöchste Zeit, dass wenigstens die gut ausgebildete Jugend, unsere zukünftige "Elite", sich Gedanken macht um die Zukunft von uns allen und nicht nur um die eigene. Bravo! Denn Politiker denken immer nur an die nächsten Wahlen, und fahren den Karren so mit Anlauf an die Wand. Leider war ich, bis ich mit 25 nach Bern kam, total unpolitisch, erst hier sind mir die Augen aufgegangen. Ich frage mich aber, ob diese Demonstranten sich Gedanken gemacht betreffend der Folgen ihrer Forderungen. Kein CO2-Ausstoss ab 2030 würde zum Beispiel die totale Einstellung des privaten Flug- und (Diesel-)Schiffsverkehrs innert 11 Jahren bedeuten. Elektrische Schiffe mögen machbar sein, aber Flugzeuge sind etwas, das wir hier nicht mehr erleben werden. Wollen sie das wirklich? Nie mehr nach Amerika reisen? Das iPhone und die meisten anderen Importwaren doppelt so teuer? Äpfel statt Avocado? Birnen statt Ananas? Es gibt durchaus Studien, die in ungefähr darlegen, wie wir CO2 neutral leben könnten, aber die klingen nicht sehr angenehm. Ob einer von denen sowas mal gelesen hat? Wir müssten auf sehr viel verzichten, für immer, und ich fürchte, weder die Jungen noch die Alten sind wirklich bereit dazu, solange uns der Klimawandel nicht förmlich in den Allerwertesten beisst. Trotzdem könnten sie, ab sofort und in Zukunft, ihren schönen Worten Taten folgen lassen: Flugreisen und Kreuzfahrten boykotieren, auf's eigene Auto verzichten, keine weiten Wege pendeln, den Traum vom Einfamilienhaus mit Umschwung begraben und konsequent grün wählen, sobald sie 18 sind. So würden sie erst richtig glaubwürdig und bestimmt würden sie so mehr erreichen als mit blossen Forderungen an Leute, die sich nur um ihre Wiederwahl sorgen und sonst wenig bis nichts. Wen interessiert schon, was in 50 oder 100 Jahren ist. Die Folgen des Klimawandels werden brutal sein. Im ersten Moment mögen 2 Grad mehr nicht bedrohlich wirken, aber wenn der Rhein oder die Aare ab Mitte Sommer trocken bleiben (weil die Gletscher längt weg sind und das bisschen Schnee geschmolzen ist) werden wir das vielleicht anders sehen, und wenn halb Afrika vor der Türe steht, weil der Kontinent einfach nichts mehr zum Essen hergibt, wird das Wort "Flüchtlingströme" eine ganz neue Bedeutung kriegen. Von rechts wird dann wahrscheinlich auch hier der Ruf nach einer "great, great wall" laut werden...
03.10.2018 17:21:36
Wir haben kein Auto mehr, weil wir es einfach kaum noch gebraucht und zum Schluss nur noch aus Bequemlichkeit benutzt haben. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass wir auf etwas verzichten würden, im Gegenteil, es ist eine Entlastung, was Verantwortung angeht, und eine finanzielle natürlich auch. Ein Mobility haben wir hier alle paar Meter, für den Fall, dass es wirklich mal nicht ohne geht. Unser Quartier soll ja sehr links/grün sein, aber trotzdem scheinen die Autos nicht weniger zu werden, trotz der anders lautenden Statistik. Abends ist regelmässig alles bumsvoll, oder besser gesagt übervoll. Hier Parkplätze aufheben dürfte nicht viel bringen, ausser zusätzliche Busseneinnahmen vielleicht (wenn denn kontrolliert würde, was ich momentan nicht so das Gefühl habe). Ich hätte liebend gerne weniger Autos, die nur dumm rumstehen, aber wo sollen sie hin? Ich habe keine Ahnung, ehrlich gesagt. Wahrscheinlich müssten Parkkarten weit über 100 Franken pro Monat kosten, damit man sich ernsthaft Gedanken darüber macht und vielleicht auch endlich handelt. Gewissen Fahrzeugen keine Bewilligung geben halte ich auch nicht für zweckmässig – wo soll man die Grenze ziehen, ohne dass diese völlig willkürlich ist? Und wer soll das kontrollieren? Was man machen könnte wären an Grösse und Gewicht angepasste Tarife für die Parkkarten. Wie sollte ein Parkplatzkonzept aussehen? Natürlich müsste die ParkplatzPFLICHT endlich wegfallen. Im Gegenteil, man müsste eine saftige Steuer darauf erheben. Längeres Parkieren für Privatautos müsste viel teurer werden, Handwerker hingegen dürften zum Ausgleich meinetwegen gratis parkieren, und man könnte Kurzzeitparkplätze schaffen, eine halbe Stunde maximum. Auch das müsste man natürlich streng kontrollieren, sonst bringt es nichts. Die Altstadt müsste man von oberirdischen Privatautos befreien, den Betroffenen aber einen wirklich günstigen Platz im Parkhaus anbieten - schliesslich müssen sie dann weiter laufen.