David Stampfli
25.02.2018 15:32:36
Die Debatte über die «unproduktiven» Berner flackert immer wieder auf. Meistens ist es nur eine Stellvertreterdebatte von jenen, die weniger in den Finanzausgleich einzahlen möchten - also jenen, die die Solidarität zwischen den verschiedenen Landesteilen bekämpfen. Ironischerweise führt die SVP Schweiz diesen Kampf an vorderster Front an, während sie sich gleichzeitig gerne als Superpatriotin gibt. Wer sich als patriotisch versteht, sollte für die ganze Schweiz einstehen und nicht nur für die reichen Teile. Und mit der SVP kommen wir auch gleich zum zweiten Teil der Ironie: Die Berner Kantonalpartei kritisiert zwar lautstark, dass der Kanton Bern zu den Nehmerkantonen im NFA gehört. Gleichzeitig ist aber die SVP hauptverantwortlich für mindestens zwei Schwächen des Kantons Bern: die kleinräumigen Strukturen und die Landwirtschaft. Als stärkste Partei seit Jahrzehnten hätte sie es in den Händen gehabt etwas zu ändern - sie wollte aber nicht. Fazit: 1. Es ist nicht so schlimm, wenn der Kanton Bern weniger stark ist als andere Kantone. Es gehört auch zur Solidarität der Schweiz, dass die Stärkeren die Schwächeren unterstützen. 2. Es gibt durchaus potential den Kanton Bern stärker zu machen - aber dann müssten die beiden heiligen Kühe Landwirtschaft und Gemeinden angepackt werden. 3. Der Kanton Bern hat bei Bildung und Innovation durchaus Chancen ganz vorne mitzuspielen, z. B. als Medizinalstandort. Dazu braucht es aber die nötigen Investitionen. Ich hoffe, dass auch die Kritiker der Berner Schwächen dazu bereit sind!